Künstliche Beleuchtung im Garten trägt zur Lichtverschmutzung bei und stört nicht nur nachtaktive Tiere. © Virrage Images/Shutterstock.com
Obwohl künstliches Licht keinen sichtbaren „Dreck“ verursacht, spricht man dennoch von Lichtverschmutzung. Unvorstellbar, aber die Nacht wird jedes Jahr durchschnittlich um 2 % heller – weltweit! In Europa sind es sogar 5%. Kaum zu glauben, aber auch immer mehr Gärten werden die ganze Nacht beleuchtet. Deshalb ist jeder Garten, der nachts dunkel bleibt, besonders wertvoll.
Warum ist Licht in der Nacht so schädlich? Tagaktive Lebewesen werden in ihrem Schlaf gestört und in ihrer nächtlichen Erholung beeinträchtigt. Stellen Sie sich nur vor, jemand würde nachts mit einer Taschenlampe vor Ihrem Gesicht herumleuchten - da würden Sie auch keinen guten Schlaf sowie die lebensnotwendige Erholung finden, oder?
Große Auswirkungen hat Lichtverschmutzung aber auch auf nachtaktive Lebewesen, weil das viele Licht sie ablenkt, angelockt, blendet und sie ihre Orientierung verlieren. Insekten sterben sogar, denn sie werden vom Licht angezogen und schwirren unaufhörlich im Lichtkegel, bis sie vor Erschöpfung verenden. Denn sie verwechseln die künstlichen Lichtquellen mit dem Mond als Orientierungspunkt. Nachtaktive Insekten, die um Lichtquellen fliegen, fehlen außerdem bei der Bestäubung von Pflanzen und der Fortpflanzung. Viele Tiere können sich an stark erhitzten Lichtquellen verletzen oder sogar verbrennen. Vielen Menschen ist das Problem leider immer noch nicht bewusst. So schön manche Gartenbeleuchtungen auch aussehen, sie haben nachts in der Natur nichts verloren, erst recht nicht, wenn sich niemand im Garten auffält. Luftverschmutzung wirkt sich negativ auf Brutzeiten und Vermehrungszyklen aus. Das Bestrahlen von Bäumen stört Vögel beim Brüten. Nicht nur Insektizide sorgen für ein Insektensterben, auch die zunehmende Lichtverschmutzung schädigt Insekten. 70% aller Schmetterlinge sind nachtaktiv. Wenn wir in unserem Zuhause von einem Raum in den anderen gehen, drehen wir doch auch das Licht ab - warum sollen wir Licht im Garten oder auf der Terrasse in der Nacht brennen lassen? Selbst von hell erleuchteten Fenstern geht eine Störung für unsere Tierwelt aus. Am besten verdunkeln Sie Ihre Fenster mit Vorhängen oder Jalousien.
Blühendes Leben im Dunkel der Nacht
Erstaunlich viele Tiere sind nachts aktiv. Bleiben unsere Gärten nachts dunkel, finden Glühwürmchen, Nachtfalter, Fledermäuse, unterschiedliche Amphibien, Eulen, Marder, Füchse, Igel einen geeigneten Lebensraum. Mit nachts duftenden Blüten locken wir Nachtfalter gezielt in unsere Gärten. Davon profitieren u. a. Fledermäuse, da sie auf Nachtfalter als Nahrungsgrundlage angewiesen sind. Doch welche Pflanzen verströmen nachts ihren Duft und locken Falter in unsere Gärten? Dazu zählen Nachtkerze, Nachtviole, Geißblatt, Lichtnelke, Phlox, Gewöhnliche Mondviole, Nachtviole, Gewöhnliche Seifenkraut und einige mehr. Es ist sicher kein Zufall, dass nachtduftende Pflanzen oft sehr helle, weiße oder hellgelbe Blüten ausbilden. Denn sie reflektieren das wenige Licht am besten, das abends oder nachts noch vorhanden ist, vorausgesetzt wir drehen das Licht im Garten ab.
Nicht nur Pflanzen für Falter sind wichtig, auch Futterpflanzen für ihre Raupen sind von entscheidender Bedeutung, um sie dauerhaft im Garten zu erhalten. Pflanzen wie der Blut-Weiderich (Lythrum salicaria), der Echten Baldrian (Valeriana officinalis), die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), die Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) oder neben vielen anderen Salix-Arten, die Sal-Weide (Salix caprea) leisten hierfür einen wertvollen Beitrag.
Was können wir tun?
- Verwenden Sie Licht nur dort, wo es unbedingt notwendig ist, und statten Sie Ihre Beleuchtung mit einer gut eingestellten Zeitschaltuhr oder einem Bewegungsmelder aus.
- Montieren Sie Leuchtmittel möglichst niedrig und richten Sie den Lichtkegel stets nach unten, um eine breite Streuung zu vermeiden. Ideal ist es, wenn außerhalb der beleuchteten Fläche kaum Licht wahrnehmbar ist.
- Nutzen Sie im Außenbereich ausschließlich warmweißes Licht (ca. 2.200 Kelvin), da dieses weniger anziehend auf Insekten wirkt als kaltweißes Licht.
- Setzen Sie auf schwächere Lampen: für ungeschirmte Lichtquellen etwa 500 Lumen (ca. 5 Watt), für geschirmte Lichtquellen bis zu 800 Lumen (ca. 8 Watt).
- Bevorzugen Sie geschlossene Leuchtkörper, damit diese nicht zur Insektenfalle werden.
- Selbst kleine Solarlampen stören nachtaktive Tiere, da auch sie starke Kontraste im dunklen Garten erzeugen. Achten Sie darauf, diese auszuschalten, wenn der Garten oder Balkon nicht genutzt werden.
- Vermeiden Sie Effektbeleuchtung an Bäumen, Hecken, Pools oder Gartenteichen, da in diesen Lebensräume zahlreicher Tiere leben und ruhen.