Durch den Klimawandel heißt es bei Herbstarbeiten zunehmend: nach Gefühl gehen © encierro/Shutterstock.com
Der Herbst ist längst nicht mehr überall das, was er einmal war. Bleiben die Temperaturen im September und Oktober hoch, wachsen Rasen, Stauden und Gemüse weiter. Manche Gehölze behalten ihre Blätter ungewöhnlich lange, während andere Pflanzen nach einem trockenen Sommer bereits früher mit dem Laubfall beginnen. Für Hobbygärtner heißt das: Nicht der Kalender sollte bestimmen, wann eine Arbeit ansteht, sondern der Zustand von Pflanzen und Boden.
Laub darf warten
Beim Laub ist die Sache besonders offensichtlich. Färben sich die Bäume erst spät, muss auch nicht schon Anfang Oktober zum Rechen gegriffen werden. Auf Beeten und unter Gehölzen darf Laub ohnehin liegen bleiben. Es schützt den Boden, hält Feuchtigkeit und wird nach und nach zu Humus. Nur auf Rasenflächen und Wegen sollte eine dicke Laubschicht regelmäßig entfernt werden.
Stauden nicht automatisch zurückschneiden
Auch der klassische Herbstschnitt hat an Bedeutung verloren. Viele Stauden können problemlos bis zum Frühjahr stehen bleiben. Ihre trockenen Stängel und Samenstände bieten Nahrung und Unterschlupf und geben dem Garten im Winter Struktur. Wer schneidet, sollte deshalb einen konkreten Grund haben – etwa kranke Pflanzenteile zu entfernen oder Wege freizuhalten.
Bei Gehölzen gilt ohnehin: Nicht jeder Schnitt gehört in den Herbst. Der richtige Zeitpunkt hängt von Pflanzenart und Schnittziel ab.
Gemüse kann länger im Beet bleiben
Im Nutzgarten lohnt es sich ebenfalls, flexibel zu bleiben. Viele Gemüsearten können bei mildem Wetter länger im Beet stehen. Mangold, Lauch, Kohl oder Feldsalat lassen sich häufig noch weit in den Herbst hinein ernten. Gleichzeitig sollte die Wetterentwicklung im Blick bleiben. Wird eine stärkere Frostperiode angekündigt, kann eine Ernte oder ein Schutz der Pflanzen notwendig werden.
Pflanzen brauchen weiterhin Wasser
Dass Herbst automatisch feucht bedeutet, stimmt ebenfalls immer weniger. Nach trockenen Sommermonaten können Böden auch im September und Oktober noch erheblich ausgetrocknet sein. Vor allem frisch gepflanzte Gehölze und Stauden sowie immergrüne Pflanzen benötigen dann weiterhin Wasser. Ob gegossen werden muss, lässt sich am einfachsten direkt am Boden prüfen.
Winterschutz nach Wetterlage
Auch beim Winterschutz ist der richtige Zeitpunkt nicht jedes Jahr derselbe. Empfindliche Kübelpflanzen sollten vor den ersten stärkeren Frösten ins Winterquartier, müssen aber nicht wochenlang zu früh dort stehen. Neu gepflanzte Gehölze profitieren dagegen von einem möglichst langen Zeitraum mit günstigen Bodenbedingungen, um noch Wurzeln zu bilden.
Beobachten statt abhaken
Der Garten lässt sich heute weniger nach einer festen Herbst-Checkliste bewirtschaften. Wer regelmäßig beobachtet, wann Pflanzen ihr Wachstum einstellen, wann der Boden trocken wird, wann das Laub fällt und welche Wetterlage bevorsteht, kann die Arbeiten besser an die tatsächlichen Bedingungen anpassen.
Der Gartenkalender bleibt dabei eine gute Orientierung. Er sollte aber nicht als Terminplan verstanden werden. Denn der Herbst beginnt im Garten nicht an einem bestimmten Datum – sondern dann, wenn Pflanzen und Wetter es anzeigen.