Auch in diesem Jahr war die Kohlmeise erneut die häufigste Vogelart. Sie wurde an nahezu neun von zehn Zählorten beobachtet. Zwar belegte sie nur in drei Bundesländern den ersten Platz, trat dort jedoch in besonders großer Zahl auf. © Jeremy Richards/Shutterstock.com
Bei der größten Vogelzählaktion des Landes wurden über 700.000 Vögel gezählt. Mehr als 33.000 Menschen haben mitgemacht – eine Rekordbeteiligung. Im Durchschnitt wurden 29 Vögel pro Zählort beobachtet, etwas weniger als im Vorjahr. Diese Zahl ist in den vergangenen sechs Jahren mit leichten Schwankungen weitgehend stabil geblieben. Der Langzeitvergleich über 17 Jahre zeigt jedoch einen abnehmenden Trend: Während zu Beginn der Aktion noch rund 40 Vögel pro Garten gezählt wurden, sind es in den vergangenen Jahren nur mehr etwa 30 Vögel je winterlichem Zählort.
Dieses Jahr war wieder einmal die Kohlmeise mit 112.996 Individuen die häufigste Vogelart in unseren Siedlungen. Mit durchschnittlich 4,5 Vögeln pro Garten war sie an fast neun von zehn Zählorten vertreten. Sie flog nur in drei Bundesländern (W, NÖ, OÖ) auf den ersten Platz, dort aber in besonders hoher Anzahl. Der Haussperling (Hausspatz) flatterte mit 98.984 Individuen österreichweit auf Platz zwei und trat mit durchschnittlich 3,9 Individuen ähnlich häufig auf wie im Vorjahr. Er zeigte sich in nahezu der Hälfte aller Gärten, Parks und sonstigen Zählorte und landete in fünf Bundesländern (Burgenland, Steiermark, Salzburg, Tirol, Vorarlberg) sogar auf dem ersten Platz.
Der Feldsperling (Feldspatz) konnte an vier von zehn Zählorten beobachtet werden. Insgesamt wurden 90.231 Individuen gezählt, das entspricht 3,6 Vögeln pro Zählort. In Kärnten war er sogar der häufigste Vogel in unseren Siedlungen, während er es in Wien zum Beispiel nicht einmal mehr in die Top Ten schaffte.
Im Vergleich zum Vorjahr blieben heuer viele Wintergäste aus dem Norden Europas weitgehend aus. Arten wie Bergfink, Kernbeißer oder Erlenzeisig wurden deutlich seltener gemeldet. Der Einflug solcher Arten hängt von mehreren Faktoren ab – vor allem vom Bruterfolg und vom Nahrungsangebot in den nordischen Brutgebieten. Ob durchziehende Vögel in Österreich überwintern oder weiter nach Süden ziehen, hängt auch von den lokalen Bedingungen ab. Ist das Nahrungsangebot hierzulande knapp, ziehen viele Arten weiter. Das Ausbleiben von Wintergästen kann daher sowohl auf gute Bedingungen im Brutgebiet als auch auf ungünstigere Verhältnisse in Österreich zurückzuführen sein.
Beim Stieglitz wurde heuer zwar ein Rückgang festgestellt, langfristig zeigt er jedoch als einziger Finkenvogel keinen negativen Wintertrend. Grund dafür ist ein verändertes Zugverhalten: Durch mildere Winter bleibt die Art zunehmend ganzjährig bei uns. Der heuer wieder strengere Winter dürfte jedoch vermehrt zu Abwanderungen geführt haben. Arten wie Bergfink, Erlenzeisig oder Stieglitz zeigen von Jahr zu Jahr teils starke Schwankungen – abhängig davon, ob es zu Zuzügen aus dem Norden oder Abzügen in den Süden kommt.
Die Langzeitdaten zeigen jedoch auch klare Trends: Sperlinge, Kohl- und Blaumeisen sowie einige Finkenarten gehen langfristig zurück. Ursachen sind v. a. Verbauung, Nachverdichtung sowie naturfern gestaltete Grünräume. Je weniger heimische Hecken und alte Bäume, desto weniger Vögel. Besonders stark betroffen ist der Grünling. Sein massiver Bestandsrückgang ist v. a. auf die Vogelkrankheit Trichomoniasis zurückzuführen. Zusätzlich erschweren Lebensraumverluste – wie das Verschwinden dichter Hecken, alter Bäume und blütenreicher Rasenflächen – eine Erholung der Bestände.
Nach deutlichen Bestandseinbrüchen in den Jahren 2018 und 2019 zeigt die Amsel wieder eine positive Entwicklung, insbesondere in den Siedlungsräumen der östlichen Bundesländer und Vorarlbergs.