Was ist ein Schlüsselloch-Garten?

Ein Artikel von Christiane Bartal | 28.03.2023 - 08:15
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Kompostierbare Abfälle werden in der Mitte des Beetes gesammelt. Der daraus entstehende Kompost nährt die umliegenden Pflanzen © wonderisland/Shutterstock

Ein Schlüsselloch-Garten (engl. „Keyhole Garden“) ist im Grunde ein rundes Kompost-Hochbeet: In der Mitte befindet sich ein Kompost-Schacht. Im Beet, das außen direkt daran angrenzt, wächst das Gemüse. An einer Seite ist eine Zugangsöffnung ausgespart, über die man zur Mitte gelangt. Von oben betrachtet erinnert das Beet an die Form eines Schlüssellochs.

Ein klassisches Schlüsselloch-Beet hat einen Durchmesser von rund 3 m, sodass es von überall gut erreicht und bewirtschaftet werden kann. Aus welchem Material das Hochbeet besteht, das richtet sich – wie bei einem „herkömmlichen“ Hochbeet – nach dem persönlichen Geschmack des Erbauers. So kann es beispielsweise aus Holz, gemauerten Ziegeln oder trocken aufgeschichteten Natursteinen errichtet werden. Je „dichter“ die Stützmauer jedoch ist, desto mehr Feuchtigkeit bleibt im Substrat gespeichert, wodurch sich der Gießaufwand reduziert.

Was sind die Vorteile eines Schlüsselloch-Beetes?

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Gegossen wird im Regelfall nur der Kompostkorb. Das angereicherte Wasser versorgt das angrenzende Erdreich mit Feuchtigkeit und Nährstoffen © wonderisland/Shutterstock

Die Vorteile eines solchen Beetes gehen weit über die eines herkömmlichen Hochbeetes hinaus: Der Kompostschacht in der Mitte versorgt die umliegenden Beete nicht nur automatisch mit Nährstoffen, sondern auch mit Feuchtigkeit. Der „Schacht“ besteht nur aus einem Drahtgitterkorb, sodass ein Stoffaustausch mit dem angrenzenden Substrat möglich ist.

In den mittigen Kompostschacht kommen regelmäßig anfallende organische Materialien, etwa (gegebenenfalls gehäckselte) Gartenabfälle oder ungekochte Gemüseabfälle aus der Küche.
>> Was gehört nicht auf den Komposthaufen?

Wer eine Wurmkiste direkt im Gemüsebeet betreibt, kann die positiven Effekte deutlich sehen: Das umliegende Substrat ist feuchter und krümeliger, das Gemüse wächst zudem besser. Auch bei einem Schlüsselloch-Beet entsteht der Kompost direkt neben den Pflanzen, für die er bestimmt ist.

Spar-Tipp: Um Wasser zu sparen, sollte das Beet nur über den Kompost in der Mitte bewässert werden. Bei dem Pflanzen kommt dann das mit Nährstoffen angereicherte Wasser nach und nach an. Eine zusätzliche Düngung ist nicht notwendig.

Ein weiterer Vorteil: Ein Schlüsselloch-Beet kann mit etwas handwerklichem Geschick leicht und günstig selbst gebaut werden. Zudem spart es Platz für einen zusätzlichen Kompostplatz, denn die organischen „Abfälle“ verrotten hier direkt im Beet. Der Arbeitsaufwand verringert sich, denn das Beet bewässert und düngt sich quasi von selbst. Der Nährstoffkreislauf ist geschlossen.

Schichtweiser Aufbau

Ähnlich einem Hochbeet wird auch ein Schlüsselloch-Beet schichtweise befüllt:
Zuunterst kommt eine Schicht aus Steinen und Zweigen als Drainage, darüber mehrere Schichten mit abwechselnd Holzasche, Stallmist, Kompost und Erdreich. Auch angetrockneter Grasschnitt, Grassoden und gehäckselte Grünabfälle lassen sich gut darin verwerten. Die oberste Pflanzschicht ist herkömmliche Pflanzerde bzw. mit Kompost vermischte Gartenerde.

In den Kompostkorb kommt zur besseren Durchlüftung zuunterst eine Schicht mit größeren Steinen.

Tipp: Wie bei einem Hochbeet empfiehlt es sich auch hier, zuunterst ein Wühlmausgitter vorzusehen, um die Nager von den Pflanzenwurzeln fernzuhalten. Ansonsten sollte die Füllung, sofern das Schlüsselloch-Beet auf gewachsenem Boden steht, nach unten hin ausreichend durchlässig bleiben, sodass beispielsweise Regenwürmer und andere wertvolle Bodenlebewesen von unten her aufsteigen bzw. sich bei Hitze und im Winter in tiefere, feuchtere und frostfreie Bodenschichten zurückziehen können.

Wer hat's erfunden?

„Keyhole Gardens“ wurden speziell für trockene Regionen mit nährstoffarmen Böden entwickelt. Beete nach diesem Prinzip kommen schon längere Zeit sporadisch in Hausgärten zum Einsatz. In den vergangenen Jahren haben sie sich auch als Teil von Entwicklungsprojekten in besonders von Dürre betroffenen Gebieten Afrikas etabliert: Diese Beet- und Bewirtschaftungsform ermöglicht den Anbau von Gemüse und Kulturpflanzen in Gegenden, in denen sonst aufgrund der Trockenheit nahezu nichts wächst.

In Hinblick auf einen ressourcenschonenden Umgang mit Wasser und Düngemitteln könnten diese Schlüsselloch-Gärten auch in unseren Breiten eine praktikable Methode sein, um den zunehmend trockenen Sommern zu begegnen.

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Reiche Ernte mit wenig Arbeitsaufwand – ein Schlüsselloch-Beet mit integriertem Kompostierbereich macht's möglich © epiximages/Shutterstock