Samen sind für Pflanzen weit mehr als nur „kleine Körner für das nächste Jahr“. Sie enthalten einen Embryo und damit die Anlage für eine neue Pflanze sowie Nährstoffreserven, die den Keimling in seinen ersten Entwicklungsstadien versorgen. Für die Pflanze selbst sind Samen vor allem ein Überlebensmechanismus: Sie ermöglichen es, ungünstige Jahreszeiten zu überdauern und neue Standorte zu besiedeln.
Wer im eigenen Garten Saatgut sammelt, kann diesen natürlichen Kreislauf beobachten und zugleich unabhängiger vom Saatgutkauf werden. Besonders unkompliziert ist das bei einjährigen Sommerblumen wie Ringelblume, Kornblume, Zinnie oder Kapuzinerkresse. Auch bei vielen Stauden lässt sich Saatgut gewinnen.
Für lange haltbare Samen sollte an einem sonnigen und trockenen Tag geerntet werden © Verediana Hille/Shutterstock.com
Der richtige Zeitpunkt
Entscheidend ist, die Samen nicht zu früh zu ernten. Die Fruchtstände sollten vollständig ausgereift sein. Häufig erkennt man das daran, dass sie sich verfärben, trocken werden oder beginnen, sich von selbst zu öffnen. Bei manchen Pflanzen ist das ein kleines Zeitfenster: Wartet man zu lange, werden die Samen bereits vom Wind verbreitet.
Am besten sammelt man an einem trockenen Tag, wenn die Pflanzen vollständig abgetrocknet sind. Feuchtigkeit ist einer der größten Feinde bei der Saatgutgewinnung, denn schlecht getrocknete Samen können schimmeln oder ihre Keimfähigkeit verlieren.
Je nach Pflanzenart unterscheiden sich die Samenstände deutlich. Ringelblumensamen beispielsweise sitzen in den charakteristisch gekrümmten Früchten, während sich bei Mohn die Samen in einer trockenen Kapsel befinden. Bei Kräutern wie Dill oder Fenchel hängen die reifen Samenstände oft als kleine Schirmchen an der Pflanze.
Nicht jede Pflanze ist samenfest
Wer Saatgut aus dem eigenen Garten gewinnen möchte, sollte außerdem wissen, welche Pflanzen sich dafür eignen. Bei samenfesten Sorten bleiben die typischen Eigenschaften der Pflanze über die Generationen weitgehend erhalten. Bei Hybridsorten, die häufig mit „F1“ gekennzeichnet sind, ist das nicht garantiert. Ihre Nachkommen können sich deutlich von der Mutterpflanze unterscheiden.
Bei Zucchini und anderen Kürbisgewächsen ist das Weiterziehen aus selbst gewonnenem Saatgut mit Vorsicht zu genießen. Zucchini können sich mit anderen Kürbisgewächsen derselben Art kreuzen. Dadurch können Nachkommen entstehen, die wieder vermehrt Cucurbitacine bilden – Bitterstoffe, die giftig sind. Deshalb gilt: Schmeckt eine selbst gezogene Zucchini ungewöhnlich bitter, sollte sie nicht gegessen werden. Das gilt auch für gekochte Gerichte, denn die Bitterstoffe werden durch Erhitzen nicht zuverlässig unschädlich gemacht.
Trocknen, reinigen, lagern
Nach der Ernte sollten die Samen zunächst vollständig trocknen. Pflanzenreste werden entfernt, anschließend kommt das Saatgut in trockene, beschriftete Gefäße oder Papiertüten. Auf die Verpackung gehören mindestens Pflanzenname und Erntejahr. Ein dunkler, trockener und möglichst kühler Lagerort verlängert die Haltbarkeit. Besonders wichtig ist, die Samen vor Feuchtigkeit und starken Temperaturschwankungen zu schützen.
Die Keimfähigkeit nimmt allerdings bei jedem Saatgut mit der Zeit ab – wie schnell, hängt stark von der Pflanzenart und den Lagerbedingungen ab. Deshalb lohnt es sich, nicht mehr Saatgut zu sammeln, als man voraussichtlich benötigt.