Vom Supermarkt-Hit zum grünen Hingucker am Fensterbrett

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 20.02.2026 - 09:29
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Avocados gelten als gesundes Superfood – doch ihr Anbau steht wegen Umweltbelastung und Wasserknappheit in der Kritik. Aus dem Kern lässt sich ganz einfach eine eigene Pflanze ziehen: Früchte gibt’s wahrscheinlich nicht, dennoch ist sie eine schöne, dekorative Zimmerpflanze.

Im Nu zur neuen Zimmerpflanze

Am einfachsten gelingt das Keimen eines Avocadokerns mit Zahnstochern im Wasserbad. Diese Methode eignet sich besonders gut, um die Entwicklung von der Keimung bis zur jungen Pflanze zu beobachten. Für den Start brauchen Sie nur drei Zahnstocher und ein Glas mit Wasser. Zuerst wird der Kern vorsichtig aus der Avocado gelöst, gründlich von Fruchtfleischresten befreit und trocken getupft. Dann werden an drei gleichmäßig verteilten Stellen rund um die Mitte des Kerns je ein Zahnstocher ein paar Millimenter tief hinein gestochen, sodass der Kern auf dem Wasserspiegel aufliegt. Das untere Drittel des Kerns sollte im Wasser hängen, der obere Teil bleibt frei. Stellen Sie das Glas an einen hellen, warmen Ort, idealerweise auf eine sonnige Fensterbank ohne direkte Mittagssonne. Das Wasser sollte alle zwei bis drei Tage gewechselt werden und achten Sie darauf, dass der Kern stets im Wasser bleibt. Nach einigen Wochen öffnet sich der Kern an der Oberseite, und es bilden sich zuerst Wurzeln, später ein grüner Trieb. Sobald sich kräftige Wurzeln und ein stabiler Spross entwickelt haben, kannst du den Kern in einen mit feuchter Erde gefüllten Blumentopf setzen. Entferne die Zahnstocher vorsichtig, pflanze den Kern so ein, dass der obere Teil etwa zur Hälfte über der Erde bleibt und die Wurzeln vollständig bedeckt sind.

Die richtige Pflege Zuhause

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Da die Avocado ein tropisches Gewächs ist, benötigt sie eine hohe Luftfeuchtigkeit, konstante Wärme und ein gleichmäßig feuchtes Substrat. Zu Beginn ist es wichtig, darauf zu achten, dass der Kern nicht aufweicht oder zu faulen beginnt. Am besten stellt man das junge Pflänzchen in ein warmes Zimmer an einen hellen Fensterplatz und sorgt für eine gleichmäßige Wasserversorgung.
Sobald der Avocadobaum gut eingewurzelt ist, kann er in den Sommermonaten etwa alle zwei Wochen mit einem Flüssigdünger versorgt werden. Im Winter hingegen braucht die Pflanze eine Ruhephase. Während dieser Zeit sollte die Pflanze an einem hellen Ort bei Temperaturen zwischen 10 und 15 °C überwintern. Gegossen wird weiterhin, jedoch nur so viel, dass der Wurzelballen nicht vollständig austrocknet. Auf Dauer gedeiht die Avocado am besten in einem beheizten Gewächshaus oder Wintergarten, wo sie genügend Licht, Feuchtigkeit und Wärme erhält – Bedingungen, die ihrem natürlichen Lebensraum am nächsten kommen. Ältere Pflanzen können in den Sommermonaten auch ins Freie gestellt werden, bevorzugt an einen warmen und windgeschützten Platz. Vor den ersten kalten Nächten sollten die empfindlichen Tropenpflanzen jedoch rechtzeitig wieder ins Haus geholt werden.

Wo kommt die Avocado her?

Die Avocado stammt ursprünglich aus Mittelamerika – schon vor über 8.000 Jahren nutzten die Menschen dort die Früchte. Im 16. Jahrhundert begannen die Spanier mit dem Anbau, und in Asien wird die exotische Pflanze erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts kultiviert.

Aufgrund der hohen weltweiten Nachfrage werden Avocado‑Bäume inzwischen in vielen Ländern angebaut, sofern die klimatischen Bedingungen es zulassen. Unter günstigen Umständen kann ein ausgewachsener Baum bis zu 20 Meter Höhe erreichen. In den Blattachseln bilden sich kleine, hellgrüne Blüten, aus denen später die typischen dunkelgrünen Früchte hervorgehen. Die ursprüngliche Vermehrung über Samen spielt in der professionellen Pflanzenzucht kaum eine Rolle, da daraus entstehende Jungpflanzen ihre sortenspezifischen Eigenschaften verlieren. Deshalb werden die Bäume, ähnlich wie bei heimischen Obstsorten, veredelt.
Für den Hausgebrauch lässt sich jedoch aus einem Avocadokern problemlos ein kleines Zimmerbäumchen ziehen. Auch wenn diese Pflanzen in der Regel keine Früchte tragen, ist das Ziehen einer eigenen Avocado eines pannende und lehrreiche Erfahrung – besonders für Kinder und Pflanzenfreunde.
Tipp: Damit das Experiment in jedem Fall klappt, empfehlen wir, mehrere Avocadokerne zu verwenden. Denn es ist gut möglich, dass nicht jeder Kern zu keimen beginnt. 

Problematik

Die beliebten Früchte haben einen langen Weg hinter sich bis sie auf unseren Tellern landen. Durch ihre permanente Verfügbarkeit im Supermarktregal sind sie für viele zu einem selbstverständlichen Lebensmittel geworden. Doch das kann für unsere Umwelt problematisch sein/werden. Denn starke Nachfrage und steigende Preise machen es besonders attraktiv die Avocado anzubauen. Das führt zur illegalen Abholzung von (Regen-)Wäldern, um Platz für Plantagen zu schaffen. Die langen Transportwege verschlechtern die Ökobilanz ebenfalls. Sie kommen aus Südamerika, Afrika, Mexiko, dem Nahen Osten und auch Spanien und werden von dort in gekühlten Containern nach Europa verschifft. Dauert der Transport länger als 3 Tage muss die Ladung auch noch gekühlt werden. Dass erhöht den Kraftstoffverbrauch und sorgt für hohe Treibhausgas-Emissionen. Die Weiterlieferung im Inland erfolgt meist mit LKWs. Die Avocado reagiert empfindlich auf Stöße und muss daher beim Transport gut gepolstert werden, das bedeutet mehr Verpackungsmaterial. Häufig werden unreife Früchte transportiert, die dann in den Verkaufsländern nachreifen müssen. Dieser Prozess erfordert ebenfalls einen hohen Energieaufwand, da die Früchte viel Wärme zum Nachreifen brauchen. Das trifft natürlich auch auf viele andere (exotische) Früchte und eine Vielzahl an Produkten zu. 

So viel Wasser?

Der hohe Wasserverbrauch der Avocado-Pflanzen wird schnell ins Spiel gebracht. 1 kg Tomaten brauchen im globalen Durchschnitt rund 180 Liter Wasser, während 1 kg Avocados bis zu 1.000 Liter Wasser verbrauchen. Vergleicht man das allerdings mit dem Wasserverbrauch, der bei tierischen Produkten wie Käse, Eiern oder Fleisch anfällt, ist er wieder gering. Den größten Wasserverbrauch hat übrigens der Kaffee. Die Avocado hat einen hohen Nährwert und sieht man sich da den Wasserverbrauch pro Kilokalorie an, so fällt die Bilanz zugunsten der grünen Frucht aus. Der Wasserverbrauch ist in den Herkunftsländern aber sehr problematisch, denn dort ist die wertvolle Ressource knapp. Wasser (von einer Quelle) muss häufig zugeführt werden, Trinkwasser ist ohnehin knapp und der zunehmende Einsatz von Pestiziden und chemischen Pflanzenschutzmitteln verschmutz das rare Grundwasser. Mit Techniken wie dem Mulchen, womit Feuchtigkeit besser im Boden gehalten wird oder einer Bewässerung mittels Tröpfchenbewässerung, kann der Wasserverbrauch stark minimiert werden. Diese Methoden sind aber kaum verbreitet und wenn dann nur in der biologischen Landwirtschaft zu finden. Erfolgt der Anbau der Avocado in Mischkulturen und Mischwäldern, können sich Pflanzen dort gegenseitig beeinflussen und die Kultur wird deutlich robuster gegenüber Wetterschwankungen, Schädlingen und Krankheiten. Sehr häufig werden aber Wälder gerodet, um Avocados anzubauen und dann entstehen auch meist nur Monokulturen.

Nicht nur schlecht

Die grünen Früchte sind reich an einfachen ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen und lassen sich vielfältig kulinarisch verarbeiten. Sie sind eine gute Quelle für Folsäure, für die Vitamine B6, B3, B2, E, C, K sowie für Kalium und Magnesium. Sie enthalten 2 Gramm Protein pro 100 Gramm und gehören damit zu den proteinreichsten Früchten. Sie sind reich an Antioxidantien und fördern eine gesunde Verdauung. Man muss auch sagen, dass Avocados verhältnismäßig viele Kalorien enthalten. Nimmt man eine ganze Avocado, die im Schnitt 250 Gramm hat, ist man schnell bei 400 Kalorien. Würde man zwei essen, wären die Kalorien ähnlich wie bei einer Tiefkühlpizza. Dieser Wert ergibt sich v. a. durch ihren hohen Fettgehalt. Doch da es sich um einfache ungesättigte Fettsäuren handelt, wirkt sich ihr Verzehr positiv auf den Körper aus.