Lebensraum entsteht durch die richtige Pflanzenwahl

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 20.04.2026 - 09:55
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Der Purpursonnenhut (Echinacea purpurea) ist ein beliebte sommerblühenden Stauden und wird gerne vom C-Falter angeflogen. © Gerrit Lammers/Shutterstock.com

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Ob Knospe, Blüte oder Samenstand – Skabiosen überzeugen in jedem Entwicklungsstadium. Besonders attraktiv für Schmetterlinge sind die nektarreichen Blüten, hier beispielsweise für den Admiral. © Sebastian Sonnen/Shutterstock.com

Schmetterlinge wirken leicht und unbeschwert – tatsächlich handelt es sich jedoch um ökologisch hochspezialisierte Organismen mit klar definierten Ansprüchen an Habitatstruktur und Vegetation. Für eine gezielte Förderung, etwa im Garten- oder Freiraumkontext, ist die bewusste Integration geeigneter Pflanzen daher essenziell. Dabei ist die funktionale Differenzierung entscheidend: Während die Raupen der meisten Arten auf spezifische Blätter und Pflanzenteile angewiesen sind, nutzen adulte Schmetterlinge Blütennektar als zentrale Energiequelle. Mit ihrem lang gestreckten, meist eingerollten Saugrüssel nehmen sie Flüssigkeiten aus Blüten auf und übernehmen dabei zugleich eine wichtige Rolle im Pollen-Transfer zwischen Pflanzen. Schmetterlinge tragen somit wesentlich zur Bestäubung im Ökosystem bei.

Skabiosen zählen zu besonders wertvollen Nektarpflanzen. Ihre reich gefüllten Blüten werden intensiv von zahlreichen Faltern genutzt, darunter auch vom Admiral, der die Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) bevorzugt anfliegt. Die wohl bekannteste Raupennahrungspflanze ist die Große Brennnessel (Urtica dioica). Zahlreiche Edelfalterarten wie Kleiner Fuchs, Landkärtchen, Tagpfauenauge und Admiral sind im Larvenstadium auf sie angewiesen. Da sie in vielen Gärten spontan vorkommt, sollte sie an geeigneten, weniger gestalterisch sensiblen Bereichen bewusst erhalten werden. Im Gegensatz dazu wird der Blut-Weiderich (Lythrum salicaria) häufig gezielt in Beet- oder Uferzonen eingesetzt, wo er neben seiner ökologischen Funktion auch durch seine dekorative Blütenwirkung überzeugt. Er dient unter anderem dem Faulbaum-Bläuling als Raupennahrungspflanze und wird ab dem Hochsommer zusätzlich von Weißlingen wie dem Zitronenfalter als Nektarquelle genutzt. Nach der Blüte übernehmen weitere Arten die Versorgung: Wasserdost (Eupatorium) und Herbst-Astern sichern bis in den Herbst hinein ein kontinuierliches Nektarangebot für zahlreiche Falterarten.

Innerhalb der Lippenblütler finden sich besonders artenreiche Nektarpflanzen für Schmetterlinge. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Gewöhnliche Dost (Origanum vulgare), der von einem breiten Artenspektrum frequentiert wird, darunter auch Augenfalter wie das Große Ochsenauge sowie verschiedene Bläulinge. Gemeinsam mit Bohnenkraut, Rosmarin, Thymian und Lavendel gehört er zu den typischen Arten der Kräuterbeete, die zugleich gestalterisch und ökologisch wirksam sind. Ein vollsonniger, trockenheitsverträglicher Pflanzstandort mit diesen Arten wirkt als stabiler Lebensraum für zahlreiche Insekten und reduziert zugleich den Wasserbedarf, da diese Arten gut an Trockenheit und Hitze angepasst sind. Ergänzend können Doldenblütler wie Fenchel (Foeniculum vulgare) integriert werden, dessen Blattmasse eine wichtige Raupennahrung für den Schwalbenschwanz darstellt. Auch Wilde Karotte und Dill erfüllen diese Funktion. Adulte Falter werden darüber hinaus häufig an Disteln, Skabiosen oder dem Natternkopf beobachtet. Die Blüten des Fenchels werden zudem regelmäßig von Wildbienen, Käfern, Fliegen und weiteren Insekten besucht und tragen damit zur strukturellen Vielfalt des gesamten Insektenlebensraums bei.