„No Mow May“ – Der mähfreie Mai für mehr Artenvielfalt

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 04.05.2026 - 09:24
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© Lois GoBe/Shutterstock.com

Sobald die Temperaturen steigen, beginnt in vielen Gärten die Mähsaison. Doch genau hier soll ein Umdenken stattfinden. Häufigeres oder vollständiges Mähen ist nicht zwingend notwendig. Im Gegenteil – längere Gräser und blühende Wildpflanzen bieten wertvollen Lebensraum und lassen den Garten lebendig und vielfältig wirken.

„No Mow May“: Ein Monat ohne Mähen

Die Idee, im Mai bewusst auf das Mähen zu verzichten, stammt aus einer Initiative, die in Großbritannien entstanden ist. Dort wird der klassische, perfekt gestutzte Rasen für einen Monat bewusst sich selbst überlassen. Ziel ist es, dass Grünflächen frei wachsen können, damit sich heimische Pflanzen- und Tierarten besser entwickeln. Auch wenn dieser Ansatz für viele Gartenbesitzer zunächst ungewohnt ist, zeigt er deutlich, wie groß der Nutzen sein kann: Mehr Blüten, mehr Nahrung und mehr Lebensraum für Insekten, die im Frühjahr besonders auf vielfältige Nahrungsquellen angewiesen sind.

Blühende Vielfalt statt kurz geschnittener Fläche

Artenreiche Wiesen mit Wildblumen und Kräutern wie Löwenzahn, Klee oder Wiesenschaumkraut sind besonders wertvoll. Sie bieten Insekten Nahrung und unterstützen gleichzeitig die Bestäubung anderer Pflanzen. Gerade die ersten Blüten im Jahr spielen dabei eine entscheidende Rolle, da sie eine der wichtigsten Nahrungsquellen im Frühling darstellen. Wird erst nach der Blüte gemäht, profitieren nicht nur Bienen und Hummeln. Auch der Garten selbst gewinnt an Vielfalt, da sich unterschiedliche Pflanzenarten besser entwickeln können und natürliche Strukturen entstehen.

Mehr Natur zulassen und bewusst pflegen

Selbst wenn Pflanzen verblüht sind, bleibt die Fläche ökologisch wertvoll. Viele Insektenarten nutzen Gräser und Wildkräuter weiterhin als Lebensraum oder Nahrung. Schmetterlingsraupen etwa sind auf genau diese Pflanzen angewiesen und benötigen ungestörte Bereiche für ihre Entwicklung. Wer seinen Garten nur zweimal bis viermal im Jahr mäht und bewusst Teilflächen stehen lässt, schafft stabile Lebensräume. So entsteht ein naturnaher Garten, der nicht nur optisch abwechslungsreich ist, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leistet.

Gefahr: Mähroboter

Die kleinen Gartenhelfer, die Arbeit erleichtern und Zeit sparen sollen, sind inzwischen weit verbreitet. Doch ihr Einsatz hat auch Schattenseiten für die Natur. Da sie regelmäßig und sehr kurz mähen, werden Blütenpflanzen und Wildkräuter kontinuierlich entfernt – ein großer Nachteil für Insekten, die auf diese Pflanzen angewiesen sind. Hinzu kommt, dass diese Geräte keine Tiere erkennen. Kleintiere und Insekten werden nicht als Hindernis wahrgenommen, was zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tod führen kann. Besonders betroffen sind Igel. Sie fliehen nicht, sondern verharren bei Gefahr instinktiv regungslos. Dadurch sind sie den Geräten schutzlos ausgeliefert. Aber auch Frösche, Kröten, Eidechsen und Lurche sind durch Mähroboter stark gefährdet.