Spektakuläre Blumenzwiebelsorten kommt meist nur im ersten Jahr so wie auf der Verpackung abgebildet raus. Danach müssen sie für eine erneute Blüte länger Kraft sammeln © Tracy Immordino/Shutterstock.com
Es ist ein kleines Gartendrama, das sich jedes Jahr im Herbst wiederholt: Im Gartencenter liegen prall gefüllte Körbe mit Tulpen, Narzissen und Zierlauch. Die Bilder auf den Verpackungen versprechen Frühling in der schönsten Form. Man greift zu, pflanzt voller Vorfreude – und tatsächlich: Im nächsten Frühjahr blüht es prächtig. Doch ein Jahr später ist die große Show vorbei. Von zehn Tulpen erscheinen vielleicht noch vier. Im dritten Jahr zwei. Und irgendwann bleibt nur die Erinnerung an das schöne Foto auf der Verpackung.
Warum machen manche Blumenzwiebeln so etwas? Und warum stehen Narzissen gefühlt seit Menschengedenken am selben Platz?
Manche wollen bleiben, manche wollen beeindrucken
Die kurze Antwort lautet: Blumenzwiebel ist nicht gleich Blumenzwiebel. Vor allem bei Tulpen gibt es große Unterschiede. Viele großblumige Sorten sind auf eine spektakuläre Blüte gezüchtet. Sie stecken einen erheblichen Teil ihrer Reserven in diesen großen Auftritt. Nach der Blüte entstehen zwar Tochterzwiebeln, doch die sind zunächst oft zu klein, um im folgenden Jahr wieder eine stattliche Blüte hervorzubringen.
Das heißt nicht unbedingt, dass die Tulpe verschwunden ist. Sie hat nur andere Pläne. Sie muss erst wieder Kraft sammeln. Botanische Tulpen sind in dieser Hinsicht oft wesentlich genügsamer. Auch Narzissen, Krokusse, Winterlinge und viele Zierlauch-Arten können sich über Jahre am selben Platz halten – vorausgesetzt, sie bekommen, was sie brauchen.
Der Herbst ist der Anfang – nicht das Ende
Wer jetzt im Herbst pflanzt, entscheidet also ein Stück weit darüber, was in den nächsten Jahren im Beet passiert. Die Zwiebeln sollten fest und gesund sein, der Boden durchlässig und der Standort passend zur jeweiligen Art. Staunässe ist für viele Zwiebelpflanzen ein ziemlich überzeugender Grund, sich dauerhaft zu verabschieden.
Und dann wäre da noch die Sache mit der Pflanztiefe: Als Faustregel gilt, dass die Zwiebel etwa zwei- bis dreimal so tief in die Erde kommt, wie sie hoch ist. Zu tief sollte sie ebenso wenig liegen wie zu flach. Die genauen Ansprüche unterscheiden sich allerdings je nach Art.
Die wichtigste Pflege kommt nach der Blüte
Der größte Fehler passiert allerdings oft Monate später. Die Tulpe oder Narzisse ist verblüht, die Blätter sehen müde aus – und der Gärtner möchte aufräumen. Verständlich. Aber genau jetzt arbeitet die Zwiebel noch für die nächste Saison. Über die Blätter sammelt sie per Fotosynthese neue Energie und lagert Reserven ein. Deshalb gilt: Blätter bleiben, bis sie von selbst gelb werden und einziehen. Erst dann dürfen sie weg.
Wer das Laub zu früh abschneidet, darf sich im Folgejahr nicht wundern, wenn die Blüte kleiner ausfällt oder ganz ausbleibt. Die Zwiebel hat schließlich keine Vorratskammer mit unbegrenzter Selbstbedienung.
Wer bleiben soll, braucht den richtigen Platz
Auch der Sommer entscheidet über die Zukunft. Viele Zwiebelpflanzen kommen ursprünglich aus Regionen, in denen es nach dem Frühjahr deutlich trockener wird. Ein durchlässiger Boden ist deshalb häufig wichtiger als ein besonders üppiges Nährstoffangebot. Wer also möchte, dass sich Blumenzwiebeln dauerhaft etablieren, sollte beim Einkauf nicht nur auf Farbe und Blütengröße schauen. Die spannendere Frage lautet: Was hat diese Pflanze vor, wenn die erste Blüte vorbei ist? Denn manche Blumenzwiebeln sind für den großen Auftritt gebucht. Andere haben tatsächlich vor, wiederzukommen.
Für dauerhafte Bestände sind unter anderem Narzissen, Krokusse, Winterlinge, botanische Tulpen und viele Zierlauch-Arten interessant. Bei großblumigen Tulpen lohnt sich dagegen ein genauer Blick auf die Sorte und ihre Eignung zum Verwildern. Wer jetzt im Herbst entsprechend auswählt, pflanzt also nicht nur den nächsten Frühling. Mit etwas Glück pflanzt er gleich für mehrere Jahre.