Vogel des Jahres 2021: So helfen Sie dem Girlitz

Ein Artikel von Christiane Bartal | 14.10.2020 - 17:19
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Erkennbar ist der nur 11 bis 12 cm große Girlitz, der kleinste heimische Fink, an der leuchtend gelben Färbung im Gesicht, auf der Kehle sowie auf der Brust. Oberseits ist er grünlich gestreift © BirdLife Österreich/Hubert Salzgeber

Der Girlitz (Serinus serinus) zählt zu den Sorgenkindern der heimischen Vogelwelt: Sein Bestand nahm innerhalb der vergangenen 20 Jahre österreichweit auf ein Fünftel ab (minus 80 % von 1998 bis 2016). „Den österreichischen Bestand des Girlitz schätzen wir aktuell auf rund 50.000 Brutpaare“, so Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich. „Damit zählt er momentan noch zu den häufigen Brutvögeln, doch unsere Beobachtungen weisen einen satten Einbruch in den vergangenen 20 Jahren nach: Acht von zehn Vögeln sind verschwunden! Der Jahresvogel 2021 zählt somit zu jenen Arten, deren Anzahl am dramatischsten zurückgegangen ist!“

Gründe für den Rückgang sind u. a. die zunehmende Bodenversiegelung an den Stadträndern, der übertriebene Ordnungssinn in unseren Gärten und Grünanlagen sowie der Verlust an Brachflächen, wodurch dem Wildkräuter fressenden Girlitz wertvolle Nahrungsgrundlagen genommen werden.

Mit der Wahl zum Vogel des Jahres 2021 rückt BirdLife Österreich nun den kleinsten unserer heimischen Finken ins Rampenlicht und plädiert für mehr Wildkräuter in unseren Städten und Dörfern, um das Überleben des Girlitz zu sichern.

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Als Samenfresser ist der Girlitz auf Wildkräuter wie das Hirtentäschel angewiesen. Brachflächen und naturnahe Gärten sind daher wichtige Nahrungsquellen
© BirdLife Österreich/Michael Dvorak

Was braucht der Girlitz?

Der natürliche Lebensraum des Girlitz sind lichte, reich strukturierte Landschaften. Zum Brüten und Singen benötigt er einerseits hohe Bäume, für die Nahrungssuche andererseits niedrig bewachsene Flächen, wo er seine reichlich Wildkräutersamen von Hirtentäschel, Löwenzahn, Gänsedistel, Vogelmiere, Wegrauke etc. vorfindet. Auch kleinere Baumsamen von Ulme und Birke verspeist der gelb gefiederte Vogelzwerg mit Vorliebe. Wichtige Lebensräume, die seinen Ansprüchen gerecht werden, sind beispielsweise naturnahe Gärten, Streuobstwiesen, Weingartenlandschaften und Friedhöfe.

Wichmann erklärt, wie Gartenbesitzer den Girlitz ganz einfach unterstützen können: „Lassen Sie Wildkräuter in Pflasterritzen und Blumenbeeten zu. Verwenden Sie Gittersteine mit Ritzenvegetation als Pflasterung anstelle von völlig versiegelten Flächen. Legen Sie Wildblumenbeete an und lassen Sie in wilden Ecken Wildkräuter wachsen!“

Am Futterhaus sieht man den Girlitz im Winter nur selten: Zum Überwintern zieht er ab Mitte September in den zentralen Mittelmeerraum nach Italien und Griechenland, bis er im April wieder nach Österreich zurückkehrt. Nur in milden Wintern bleiben die kleinen Finken vereinzelt auch bei uns.

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© BirdLife Österreich

Naher Verwandter: der Kanarienvogel

Der Girlitz ist nahe verwandt mit dem Kanarengirlitz, der auf den Kanarischen Inseln beheimatet ist und als Kanarienvogel in zahlreichen gezüchteten Farbschlägen als Haustier gehalten wird.
Aufgrund des ebenso gelben Gefieders kann der Girlitz außerdem leicht mit dem Zitronenzeisig, dem Grünfink, dem Erlenzeisig oder der Goldammer verwechselt werden.