Unterschiedliche Höhen, Samenstände und Blattwerk sorgen für ein abwechslungsreiches Spiel aus Formen und Strukturen, das später im Jahr von Raureif und Schnee in stimmungsvolle winterliche Gartenbilder verwandelt wird. © Francesca Leslie/Shutterstock.com
Wenn sich die Blätter verfärben, die letzten Blüten verblühen und die Temperaturen sinken, beginnt für viele Gartenbesitzer die große Aufräumaktion. Beete werden von Laub befreit, verblühte Pflanzen zurückgeschnitten und Gräser bis kurz über dem Boden gekürzt. Schließlich soll der Garten ordentlich und gepflegt in den Winter gehen. Was im Herbst trocken, braun und scheinbar unansehnlich wirkt, erfüllt in der kalten Jahreszeit wichtige Funktionen. Die alten Pflanzenteile schützen den Boden, bieten Tieren Nahrung und Unterschlupf und sorgen gleichzeitig für attraktive Strukturen im Wintergarten. Deshalb kann die Gartenschere bei vielen Stauden und Gräsern getrost noch einige Monate Pause machen.
Davon profitieren Mensch, Pflanze und Tier
Vertrocknete Blätter, Stängel und Blütenstände sind keineswegs wertlos. Im Gegenteil: Sie bilden einen natürlichen Schutz für den Pflanzenbereich und können dazu beitragen, dass der Boden weniger stark den winterlichen Witterungseinflüssen ausgesetzt ist. Gerade bei Frost und wechselnden Temperaturen bietet eine geschlossene Pflanzendecke Vorteile. Die oberirdischen Pflanzenteile können den Wurzelbereich vor starken Temperaturschwankungen schützen und verhindern, dass der Boden völlig ungeschützt der Witterung ausgesetzt ist. Wer Stauden und Gräser dagegen bereits im Herbst vollständig zurückschneidet, entfernt diese natürliche Schutzschicht. Für viele Pflanzen ist das nicht notwendig und kann je nach Standort sogar nachteilig sein.
Noch wichtiger ist die Funktion der Pflanzen für die Tierwelt. In den Stängeln verschiedener Stauden können sich Insekten und andere kleine Gartenbewohner über den Winter zurückziehen. Hohle oder markhaltige Stängel werden von verschiedenen Insekten als Überwinterungsplatz oder für die Entwicklung ihrer Nachkommen genutzt. Von außen ist häufig kaum zu erkennen, dass sich in den trockenen Pflanzenteilen Leben verbirgt. Ein radikaler Rückschnitt im Herbst bedeutet deshalb nicht nur weniger Pflanzenmaterial im Beet. Er kann gleichzeitig zahlreiche natürliche Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeiten beseitigen.
Wer seinen Garten möglichst naturnah gestalten möchte, sollte deshalb im Herbst die Schere liegen lassen. Auch die verblühten Blütenstände haben im Winter noch eine wichtige Funktion. Viele Stauden bilden Samen, die von Vögeln als natürliche Nahrungsquelle genutzt werden. Gerade in den kalten Monaten, wenn das Nahrungsangebot kanpp ist, sind solche Samenstände besonders wertvoll. Nicht nur Insekten und Vögel profitieren von stehen gebliebenen Pflanzen. Auch zahlreiche andere kleine Gartenbewohner nutzen die geschützten Bereiche zwischen Stängeln, Blättern und Pflanzenresten. Zusammengesackte Stauden und trockenes Laub können kleine Rückzugsräume schaffen. Dort finden Tiere Schutz vor Kälte, Wind und Nässe.
Ziergräser gehören zu den Pflanzen, bei denen sich ein später Rückschnitt besonders lohnt. Im Sommer sorgen sie mit ihren grünen Halmen und Blütenständen für Leichtigkeit und Bewegung. Im Herbst verändern sie ihre Farbe und werden trockener – ihre charakteristische Form bleibt jedoch erhalten. Genau diese Struktur macht sie im Winter interessant. Bei Raureif glitzern die feinen Halme in der Morgensonne, eine dünne Schneeschicht setzt die Silhouette in Szene und auch bei winterlichem Licht bilden die Gräser einen attraktiven Kontrast zu immergrünen Pflanzen und kahlen Gehölzen. Wer die Gräser bereits im Herbst komplett abschneidet, nimmt dem Garten diese winterlich-schönen Strukturen.