Die Schlehe ist ökologisch besonders wertvoll. Ihre Früchte bieten Vögeln und anderen Wildtieren bis weit in den Winter hinein eine wichtige Nahrungsquelle. © naszalyg93/Shutterstock.com
Die Schlehe (Prunus spinosa) gehört zu den wertvollsten heimischen Wildgehölzen. Im Frühjahr begeistert sie mit einer üppigen weißen Blütenpracht, im Herbst schmückt sie sich mit kleinen, dunkelblauen Früchten. Neben der ursprünglichen Wildform gibt es auch ausgewählte Gartensorten, die sich in Wuchs, Fruchtgröße und teilweise durch einen geringeren Gerbstoffgehalt unterscheiden. Was für uns zunächst verlockend aussieht, ist allerdings nicht sofort ein kulinarischer Genuss. Direkt vom Strauch gepflückt schmecken Schlehen herb und sauer. Verantwortlich dafür sind v. a. die enthaltenen Gerbstoffe. Erst nach längerer Reifezeit und insbesondere durch die Einwirkung der ersten Nachtfröste werden die Früchte milder und entwickeln ein süßlicheres Aroma. Dabei verändern sich unter anderem die Gerbstoffe und die Zucker-Zusammensetzung. Wer nicht auf den ersten Frost warten möchte, kann die bereits ausgereiften Früchte ernten und für einige Zeit einfrieren. Das kann einen ähnlichen Effekt erzielen, auch wenn das Aroma nicht immer ganz dem natürlich nachgereifter Früchte entspricht.
Die schwarzblauen Früchte enthalten unter anderem Vitamin C, Fruchtsäuren, Pektin und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide. Sie eignen sich hervorragend für die Verarbeitung zu Saft, Gelee, Marmelade, Sirup oder Kompott. Auch als Zutat in Kombination mit süßeren Früchten wie Äpfeln oder Birnen entfalten sie ihr besonderes Aroma. Da Schlehen von Natur aus viel Pektin enthalten, können sie beim Einkochen zudem die Gelierfähigkeit unterstützen. Bei der Verarbeitung ist allerdings Vorsicht geboten: Die Steinkerne enthalten cyanogene Pflanzenstoffe, darunter Amygdalin, aus dem bei entsprechender Zersetzung Blausäure freigesetzt werden kann. Die Kerne sollten daher weder zerbissen noch mitverarbeitet werden. Am besten werden die Früchte zunächst mit etwas Wasser weichgekocht und anschließend durch ein Sieb passiert, sodass sich das Fruchtfleisch vom Kern trennt.
Auch die Ernte selbst verlangt etwas Geschick. Die zahlreichen spitzen Dornen machen das Pflücken nicht gerade einfach. Der botanische Artname „spinosa“ weist bereits auf diese besondere Eigenschaft hin. Dicke Gartenhandschuhe mit langen Stulpen sind deshalb eine gute Wahl. Doch gerade die dornigen Zweige machen die Schlehe zu einem besonders wertvollen Gehölz für die heimische Tierwelt. Durch ihren dichten, sparrigen Wuchs und die spitzen Dornen entstehen nahezu undurchdringliche Gebüsche. Arten wie Amsel, Rotkehlchen, Zaunkönig und Neuntöter finden darin geeignete Plätze für den Nestbau. Die Dornen erschweren es Katzen und anderen Nesträubern, an die Gelege und Jungvögel heranzukommen. Die Früchte stellen eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Vogelarten, darunter Amseln, Drosseln, Meisen und Grasmücken, aber auch für verschiedene Säugetiere dar. Bis weit in den Winter hinein bleiben die blauen Früchte am Strauch hängen und bieten damit auch dann noch Nahrung, wenn das natürliche Nahrungsangebot bereits knapp wird. Wer eine Schlehe im Garten pflanzt, sollte ihr allerdings ausreichend Platz zugestehen. Der Strauch bildet zahlreiche Wurzelausläufer und kann sich dadurch mit der Zeit kräftig ausbreiten. An einem sonnigen Standort entwickelt er sich besonders gut und eignet sich hervorragend für naturnahe Hecken und Grundstücksbegrenzungen.
Wichtig: Nicht alle Früchte werden gleichzeitig reif. Wer Schlehen für die Küche sammeln möchte, sollte daher mehrmals pflücken und dabei immer einen Teil der Früchte für die tierischen Gartenbewohner hängen lassen. Denn gerade in der kalten Jahreszeit sind sie auf dieses zusätzliche Nahrungsangebot angewiesen.