Seltsame Kreuzungen: Tay-, Logan- und Boysenbeeren

Ein Artikel von Christiane Bartal/H. Stommel, H.-G. Levin, bzfe.de | 14.06.2018 - 17:10

Je nachdem, welcher Anteil der beiden Kreuzungspartner überwiegt, tragen Kreuzungen zwischen Himbeeren und Brombeeren unterschiedliche Bezeichnungen.

Während Taybeeren und Loganbeeren zu gleichen Teilen Himbeere und Brombeere sind, ist die Boysenbeere mehr Brom- als Himbeere, da sie aus einer Kreuzung zwischen Brombeere und Loganbeere entstanden ist.

Alle drei Kreuzungen, die botanisch allesamt als Rubus loganobaccus bezeichnet werden, sind noch relativ jung. Die Taybeere beispielsweise, eine Kreuzung aus Brombeere Aurora (Rubus fruticosus) und tetraploider Himbeere (Rubus idaeus), entstand Anfang der 1960er Jahre in Schottland und wurde nach dem schottischen Fluss Tay benannt. Ihre länglichen und dunkelroten Früchte sind etwa 3 bis 4 cm lang und ähneln mehr den Him- als den Brombeeren. Die Taybeere ist darüber hinaus noch fruktosearm und wird daher häufig auch bei Fruktoseunverträglichkeit vertragen.

Der Taybeere sehr ähnlich sind die Früchte der Loganbeere, einer Kreuzung der Brombeere Aughinbough (Rubus ursinus) und Himbeere Red Antwerp (Rubus idaeus). Die Früchte sind hingegen etwas fester und säuerlich. Die Loganbeere ist eine zufällige Kreuzung, die 1881 im Garten des kalifornischen Richters J. H. Logan entdeckt und nach diesem benannt wurde.

Um 1920 wurde die Loganbeere dann von Rudolph Boysen in Kalifornien mit der Brombeere Rubus baileyanus gekreuzt. Daraus entstand die Boysenbeere: Ihre Früchte sind ebenfalls groß, tief purpurrot, weich und sehr aromatisch.
 

Pflückfrisch aus dem Garten

Aber warum sind wir diesen Beeren noch nie im Supermarkt begegnet? Ganz einfach: Die Früchte sind im vollreifen Zustand zu weich und für eine kommerzielle Vermarktung zu kurz haltbar. Ihr typisches Aroma entwickeln sie jedoch nur, wenn sie vollreif sind. Bleibt also nur der Anbau im eigenen Garten.
 

Weitere spannende Rubus-Arten

Die vielseitige Gattung Rubus hält noch weitere Überraschungen bereit: etwa die Japanische Weinbeere (Rubus phoenicolasius) oder die Chinesische Himbeere (Rubus irenaeus). Beide Arten bringen sehr aromatische, etwa 1 cm kleine, ebenfalls eher säuerliche und himbeerähnliche Früchte hervor, die meist orangerot gefärbt sind.