Doldenblütler: Diese Gewürzpflanzen sind doppelt wertvoll

Ein Artikel von Christiane Bartal | 28.08.2023 - 15:52
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Aus den gelben Blütendolden der Dille entwickeln sich die kümmelähnlich schmeckenden Samen, die als Brotgewürz sowie für Erdäpfel- oder Kohlgerichte verwendet werden können. Ein vollsonniger Standort fördert das Aroma © PaniYani/Shutterstock

So unscheinbar jede ihrer Einzelblüten auch sein mag, zusammen bilden sie einen filigranen Schirm aus kleinen Strahlenbüscheln. Bei genauem Hinsehen erkennt man den faszinierenden Aufbau einer Doldenblüte. Dennoch führen Doldenblütler (Apiaceae) in vielen Gärten ein unbeachtetes Schattendasein. Zugegeben, für Laien sehen sie auch irgendwie fast alle gleich aus. Dabei haben Doldengewächse viel mehr Aufmerksamkeit und vor allem Raum verdient, denn sie sind überraschend vielseitig, für Nützlinge wertvoll – und einige von ihnen sind auch als Gewürz nutzbar.

Warum sind Doldenblütler so wertvoll?

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Soldatenkäfer sind häufig auf Doldenblüten anzutreffen. Ihr Name rührt von der Farbgebung, die an alte Soldatenuniformen erinnert © Christian L Sweden/Shutterstock

Doldengewächse sind wunderbare Nektarspender für Wildbienen, Schmetterlinge und Käfer. Unter ihren Besuchern finden sich auch viele Nützlinge wie Schweb­fliegen, räuberische Schlupfwespen, Florfliegen oder Erzwespen, die eine Vorliebe für typische Gartenschädlinge wie Blattläuse oder die Weiße Fliege haben.

Auch der Soldatenkäfer, eine überwiegend räuberisch lebende Weichkäfer-Art, tummelt sich gerne auf den Dolden von Echtem Kümmel, Pastinake oder Fenchel. Er hat es neben Pollen und Nektar auf Blattläuse, Schmetterlingsraupen, Insektenlarven und kleine Spinnen abgesehen. Gerade für Käfer sind einfacher aufgebaute Blüten wie jene der Doldenblütler und Korbblütler attraktiv, denn ihr Pollen ist auch für weniger spezialisierte Insekten erreichbar.

Wie praktisch, dass sich unter den Doldengewächsen auch viele Gewürz- und Heilpflanzen finden. Die meisten von ihnen wirken verdauungsfördernd und krampflösend im Magen-Darm-Bereich. Im Spätsommer und Herbst haben sie ihre Funktion als ­Insektenweide erfüllt – es beginnt die Zeit der Samenernte. Aber welche Doldenblütler-Früchte dürfen im Kochtopf landen?

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Die auffällig gezeichneten Raupen des Schwalbenschwanzes lieben Fenchel. Die Falter legen die Eier deshalb gezielt auf diesem Doldenblütler ab © Christiane Bartal

Nützliche Gewürzsamen

Der wohl wichtigste würzige Doldenblütler ist der Kümmel (Carum carvi), dessen Samen deftige Gerichte der Hausmannskost verdaulicher und bekömmlicher macht. Auch Fenchel (Foeniculum vulgare) gehört zur selben Familie. Besonders dekorativ und übrigens genauso aromatisch wie der grüne Gewürzfenchel ist die braunlaubige Sorte ‘Rubrum’, die durch das rotbraune Laub und die grüngelben Blüten zu einem Blickfang wird. Ihre würzigen Früchte lassen sich vielseitig einsetzen.

Kümmel ist nicht gleich Kümmel

• Echter Kümmel (Carum carvi) ist bei uns heimisch und eine jahrtausendealte Gewürzpflanze.

• Bergkümmel (Laserpitium ­siler), auch Berg-Laserkraut ­genannt, ist eine heimische Gebirgspflanze, die heute – selbst wild wachsend – selten geworden ist. Er war im Mittelalter häufig in Kloster- und Bauerngärten zu finden. Seine Samen haben ein scharfwürziges Aroma.

Die Pflanzen des in der indischen und arabischen Küche häufig vertretenen Kreuzkümmels (Cuminum cyminum) sind ­zierlicher als der Echte Kümmel und benötigen für die Samen­bildung warme Sommer­monate (mind. 28 °C). Wegen des kräftigen Aromas behutsam dosieren!

Für unseren Geschmack sehr speziell schmeckt Koriander (Coriandrum sativum), der „Petersil Asiens“. Die Blätter sind ein beliebtes Gewürzkraut für Gemüse, die Samen Bestandteil indischer und orientalischer Gewürzmischungen. Anis (Pimpinella anisum) gibt man wegen seines süß­lichen Geschmacks gerne Backwaren bei – denken Sie nur an Omas Anisplätzchen. Auch als Spirituosengewürz ist Anis seit ­jeher beliebt – zurückzuführen auf den Glauben, dass Anis aphrodisierend wirke.

Wer den anisartigen Lakritz-Geschmack liebt, sollte auch die duftende Süßdolde (Myrrhis odorata) probieren, die in allen Teilen essbar, aber bei uns mittlerweile zur Rarität geworden ist. Am ausgeprägtesten ist das Aroma in den länglichen Früchten, wenn sie noch grün, also nicht ganz reif sind. Warten Sie nicht zu lange mit der Ernte, denn mit zunehmender Reife werden die Früchte faserig. Die Süßdolde ist pflegeleicht und mit ihren filigranen Blättern und cremeweißen Blüten durchaus dekorativ. Weil sie jedoch ein Kaltkeimer ist, sollte sie schon im Herbst gesät werden.

Ebenso wenig bekannt ist, dass auch die Früchte des Liebstöckels (Levisticum officinale) Würzkraft besitzen. Viel häufiger finden seine intensiv aromatischen Blätter als  „Maggikraut“ den Weg in die Küche. Bis die Blüte einsetzt, kann das frische Kraut geerntet werden. Es lohnt sich jedoch, auch die Blütenstände stehen zu lassen und im Herbst die reifen Fruchtstände zu ernten. Beispielsweise als Brotgewürz oder für Eintöpfe eignen sich die Samen wunderbar.

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Integrieren Sie die dekorativen Doldenblütler ruhig ins Staudenbeet, so wie hier den Bergkümmel im Vordergrund. Selbst zwischen Blütezeit und Fruchtreife sind sie wertvolle Strukturbildner © guentermanaus/Shutterstock

Schon von Bärwurz und Ajowan gehört?

Eine wunderbare alte Gewürzpflanze ist die robuste Bärwurz (Meum athamanticum). Sie kommt als heimisches Wildkraut auf Bergwiesen vor und war früher ein beliebtes Küchengewürz. Man verwendete die zarten Blätter und Blütenknospen, die nach Anis, Fenchel, Dille und Liebstöckel schmecken, nutzte aber auch die Blüten und Früchte als Würze. Die aromatische Wurzel diente als Suppeneinlage oder wurde zu magenstärkendem Schnaps und Likör verarbeitet.

Am wohlsten fühlt sich die Bärwurz im Garten an einem sonnigen bis halbschattigen Standort mit gleichmäßig feuchtem, mäßig saurem Boden (eventuell mit Rindenkompost säuern). Wie die Süßdolde wird auch die Bärwurz im Herbst gesät, damit sie dem zum Keimen notwendigen Kältereiz ausgesetzt wird.

Bei uns kaum bekannt ist Ajowan (Trachyspermum ammi). Diese ursprünglich aus Ägypten stammende Gewürzpflanze gelangte durch Alexander den Großen (356 –323  v. Chr.) nach Indien, ist dort längt heimisch geworden und Zutat in fast jedem indischen Gericht. Auch in der dortigen Volksmedizin spielt er eine wichtige Rolle als Mittel gegen Verdauungsstörungen. ­

Wegen ihres hohen Thymolgehaltes – Thymol wirkt stark antiseptisch – wurde die Pflanze früher für die Pharmaindustrie kultiviert. Thymol ist auch der Grund, warum Ajowan-Samen überraschenderweise mehr nach Thymian schmecken als nach Kümmel. Dieses starke Aroma bleibt auch nach dem Erhitzen erhalten. Ajowan ist allerdings sehr anspruchsvoll. Er liebt einen sonnigen Standort und gleichzeitig einen feuchten, durchlässigen Boden, der humusreich und kalkhaltig sein sollte.