Die Schwarzwurzel ist ein altes Gemüse mit vielen gesundheitlichen Vorteilen
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Frischer Spargel steht uns im Winter nicht zur Verfügung, es gibt aber ein Wintergemüse, die Schwarzwurzel, die ebenso delikat schmeckt und jetzt frisch geerntet in den Handel kommt. Leider ist die Verarbeitung etwas zeitaufwändig, daher kennen die meisten Menschen die Schwarzwurzel nur aus der Dose oder im Glas eingelegt.
Scorzonera, die schwarze Rinde
Der botanische Name der Garten-Schwarzwurzel ist Scorzonera hispanica. „Scorza“ (ital. die Rinde) und „nero“ (ital. schwarz) beschreiben uns dieses Gemüse ebenso wie ihr deutscher Name „Schwarzwurzel“. „Schwarz“, sprich dunkelbraun, ist allerdings nur die borkige Rinde, innen ist die Wurzel ganz weiß. Als Schwarzwurz wird in manchen Regionen allerdings auch eine Heilpflanze bezeichnet, der Beinwell, der in seiner Wurzel wundheilendes Allantoin enthält, der als Gemüse aber nicht verwendet werden sollte. Als Gemüse hat die Schwarzwurzel eine relativ kurze Tradition und vermutlich wurde ihre Kulturform aus Spanien eingeführt, worauf ihr Artbeiname „hispanica“ deutet. Wildwachsend kommt die Art in Süd- und Südosteuropa vor und es ist zu vermuten, dass sie schon in vorgeschichtlichen Zeiten als Wildgemüse gesammelt wurde. Die Schwarzwurzel ist ein Korbblütler mit hübschen gelben Blüten, die ganz ähnlich denen des Wiesen-Bockbarts (Tragopogon pratensis) sind. Auch er kommt in Westösterreich und Deutschland wildwachsend vor und man kann seine Wurzel als auch die jungen Triebe als Wildgemüse verwenden. Haferwurzel (Tragopogon porrifolius) nennt man eine andere verwandte Pflanze, deren Wurzel ebenfalls als Gemüse verwendet wird. Ihr anderer Name, „Weißwurzel“, deutet darauf hin, dass sie keine schwarze Rinde hat. Angeblich erinnert der Geschmack der Wurzel an Austern. Die Haferwurzel könnte genauso wie die Schwarzwurzel in unseren Gärten kultiviert werden, ist aber hierzulande – im Unterschied zu England – kaum bekannt.
Schwarzwurzel gegen Pest und Schlangenbiss
Die Schwarzwurzel wurde früher auch als Heilmittel verwendet. Der italienische Kräuterarzt Matthiolus beschrieb sie im 16. Jh. als zarte Wurzel mit lieblichem Geschmack und als Heilmittel gegen Pest und Gift. Der botanische Name Scorzonera könnte auch vom spanischen „escorzonera“ (giftige schwarze Viper) abgeleitet sein. Als kultiviertes Gemüse wird sie erstmals 1690 in der Schweiz erwähnt, und zwar, dass sie „mit Salz, Butter und Gewürzen ... eine treffliche Nahrung für Geblüt und Leber sei“. König Ludwig XIV., der Sonnenkönig, der häufig an Verdauungsproblemen litt, ließ die Schwarzwurzel in großen Mengen anbauen, da er überzeugt war, dass das Gemüse einen durch üppige Tafelfreuden verdorbenen Magen kurieren könne.
Heilkräftige Schwarzwurzel
Das Gemüse ist kalorienarm, aber reich an Ballaststoffen und somit darmmobilisierend. Neben Vitaminen wie A, B1 bis B3 ist vor allem der hohe Vitamin-E-Gehalt, der sonst nur in Getreidekeimölen zu finden ist, bemerkenswert. Außerdem ist die Schwarzwurzel reich an Mineralstoffen: Kalium (wirkt entwässernd, gut für Herz und Gefäße), Magnesium (für Nerven und Herz), auch Kalzium, Phosphor und reichlich Eisen; weiters an Spurenelementen wie Kupfer und Mangan für die Gehirnarbeit. Die Kohlehydrate in der Schwarzwurzel sind nicht in Form von Stärke und Zucker gespeichert, sondern, wie bei Korbblütlern üblich, als Inulin und Mannit. Damit ist die Schwarzwurzel ein treffliches Gemüse für Diabetiker. Die Schwarzwurzel enthält einen Milchsaft, was man bereits beim Schälen merkt. In diesem findet sich Allantoin, der wundheilende Stoff, der auch im botanisch nicht verwandten nisch Beinwell enthalten ist. Darauf ist wohl die magenschonende Wirkung der Schwarzwurzel zurückzuführen.
Schwarzwurzel als Stresskiller und für die Gehirnleistung
Im Milchsaft stecken aber auch Bitterstoffe, die aus den Schwarzwurzeln ein optimales Gemüse für Menschen mit beruflichem Stress machen. Abends gegessen, bringen sie Entspannung und guten Schlaf. Gleichzeitig unterstützt die Schwarzwurzel die Gehirntätigkeit. Wer sie regelmäßig in den Speiseplan einbaut, hat eine bessere Konzentration und kann Vergesslichkeit bekämpfen.
Schwarzwurzeln – rundum gesund
Ein regelmäßiger Genuss dieses Gemüses, vor allem im Winter, wäre sehr zu empfehlen. Die Schwarzwurzel fördert die Entgiftung der Leber und bremst die Aufnahme von Umweltgiften in den Organismus. Gichtkranke sollten das Gemüse essen, da es hilft, Harnsäure auszuscheiden und es dank der Spurenelemente vorbeugend gegen Osteoporose wirkt.