Erstaunlich: Rinde mit Luftlöchern!

Ein Artikel von Christiane Bartal | 15.01.2019 - 16:55

Die verholzten Äste der Forsythie weist solche erhabenen Punkte auf. Es handelt sich dabei um Rindenporen oder Lentizellen. Aber wozu dienen diese?

Eigentlich schottet die Rinde nach außen hin dicht ab, um unnötige Wasserverluste zu vermeiden. Ihr hoher Gerbstoffgehalt verdirbt außerdem Insektenlarven und anderen Kleintieren den Appetit, was die Pflanze vor Fraßschäden schützen soll.

Würde die Rinde jedoch zu dicht sein, bestünde für das tieferliegende lebende Rindengewebe die Gefahr für eine mangelnde Sauerstoffversorgung. Dieses Dilemma verhindern eben die Lentizellen, die wie Poren bzw. Luftschächte fungieren. Sie bestehen aus lockerem Gewebe mit zerfallenden Zellen, durch die ausreichend Luftsauerstoff in tiefere Rindenschichten gelangen kann. Ganz schön clever, die Natur!

Wo kann ich solche Rindenporen finden?

Viele Gehölze haben Lentizellen: Neben der Forsythie sind das u. a. der Schwarze Holunder (Sambucus nigra), die Birke (Betula pendula) oder die Buche (Fagus sylvatica). Ein Extrembeispiel ist die mediterrane Kork-Eiche (Quercus suber), von der der Flaschenkork gewonnen wird: Sie weist besonders große Lentizellen auf, erkennbar als dunkelbraune Striche.

Keine Lentizellen tragen hingegen Gehölze mit grüner Rinde, darunter der Ranunkelstrauch (Kerria japonica), die Hecken-Rose (Rosa canina) oder die Brombeere (Rubus fruticosa).