Aus den Ringelblumenblüten lassen sich heilende Tikturen und Salben herstellen © Valentyn Volkov/Shutterstock.com
Leuchtend orange oder sonnengelb, anspruchslos und blühfreudig: Die Ringelblume (Calendula officinalis) gehört zu den unkompliziertesten Heilpflanzen für den Garten. Sie ist einjährig, stammt vermutlich aus dem Mittelmeerraum und gehört zur Familie der Korbblütler. Ihren deutschen Namen verdankt sie den auffällig gekrümmten Samen, die sich nach der Blüte entwickeln. Der Artname officinalis verweist dagegen auf ihre lange Verwendung als Arzneipflanze.
Mehr als nur eine hübsche Sommerblume
Interessant ist, dass die Ringelblume nicht nur für Menschen etwas zu bieten hat. Sie gehört zu den Pflanzen, die von der Royal Horticultural Society ausdrücklich für Bestäuber empfohlen werden: Ihre Blüten liefern Pollen und Nektar für Bienen und andere bestäubende Insekten. Besonders wertvoll sind dabei ungefüllte Sorten, deren Staubgefäße leichter zugänglich sind. Gleichzeitig sät sich die Ringelblume gern selbst aus – wer im Herbst einige Samenstände stehen lässt, kann deshalb im kommenden Jahr mit neuen Pflanzen rechnen.
Ein weiterer wenig bekannter Aspekt steckt in der Blütenfarbe. Die orangefarbenen Blüten enthalten zahlreiche Carotinoide, darunter Lutein, Zeaxanthin und verschiedene Xanthophylle. Je nach Sorte und Blütenfarbe kann der Gehalt deutlich variieren. Die fettlöslichen Farbstoffe machen die Ringelblume auch für die Lebensmittelindustrie interessant: Dort werden ihre Blüten beziehungsweise Extrakte unter anderem als natürlicher Farbstoff eingesetzt.
Pflege: unkompliziert und ausdauernd blühend
Für Hobbygärtner ist die Ringelblume fast ein Selbstläufer. Sie bevorzugt einen sonnigen Platz und einen gut drainierten Boden. Auch mit eher mageren Böden kommt sie zurecht; Staunässe und sehr nährstoffreiche Böden sind dagegen ungünstig. Die Samen können direkt ins Beet gesät werden. Nach der Keimung wachsen die Pflanzen rasch heran. Wer Verblühtes regelmäßig entfernt, verlängert die Blütezeit. Gleichzeitig sollte man einige Blütenstände ausreifen lassen, wenn eine Selbstaussaat erwünscht ist. Auch im Topf lässt sich die Ringelblume problemlos kultivieren.
Was die Heilpflanze kann
Medizinisch interessant sind vor allem die Blüten. Sie enthalten unter anderem Flavonoide, Triterpene, Saponine, Carotinoide und Polysaccharide. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erkennt Ringelblumenblüten aufgrund ihrer langjährigen traditionellen Anwendung zur Behandlung kleinerer Hautentzündungen und als Unterstützung bei der Heilung kleinerer Wunden an. Auch bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum werden entsprechende Zubereitungen traditionell eingesetzt. Wichtig ist dabei die Einordnung: Die EMA stützt diese Anwendungen auf die langjährige traditionelle Verwendung, nicht auf ausreichende klinische Belege für eine gesicherte Wirksamkeit.
Verarbeitung: Blüten richtig nutzen
Geerntet werden vor allem die vollständig geöffneten Blüten. Für eine spätere Verwendung lassen sie sich trocknen und anschließend dunkel und trocken lagern. Traditionell werden Ringelblumenblüten für Aufgüsse, Tinkturen, Salben oder Ölauszüge verwendet. Auch kulinarisch sind die Zungenblüten interessant: Sie sind essbar und schmecken leicht pfeffrig. Frisch geben sie Salaten oder Desserts Farbe; getrocknet können sie beispielsweise Suppen und Eintöpfen zugesetzt werden. Für medizinische Anwendungen sollte man allerdings nur entsprechend geeignete Zubereitungen verwenden und nicht aus selbst angesetzten Produkten eine therapeutische Wirkung ableiten. Bei Allergien gegen Korbblütler ist Vorsicht geboten: Ringelblumenzubereitungen können Hautsensibilisierungen auslösen.
So verbindet die Ringelblume einiges, was Hobbygärtner an einer Pflanze schätzen: Sie ist einfach zu ziehen, liefert über Monate Farbe, unterstützt Bestäuber und lässt sich zugleich als traditionelle Heil- und Küchenpflanze nutzen. Gerade diese Vielseitigkeit macht sie zu einer der interessantesten Pflanzen für den kleinen Nutz- und Kräutergarten.