Kirschlorbeer: Beliebt, aber ein Neophyt

Ein Artikel von Christiane Bartal | 08.04.2026 - 12:06
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Eine monotone Kirschlorbeer-Hecke bietet weder Vielfalt, noch Nahrung oder geeignete Rückzugsmöglichkeiten. Zudem gilt die Art als invasiver Neophyt © walter stone/Shutterstock

Vor kurzem noch galt der aus Südosteuropa und Vorderasien stammende Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) als gute Alternative zur Thuje: immergrün, ganzjährig blickdicht, robust, raschwüchsig, schnittverträglich und stadtklimatauglich. Entsprechend häufig ist er mittlerweile in heimischen Gärten anzutreffen. Charakteristisch sind seine großen, glänzenden, ledrigen Blätter sowie die im Frühjahr erscheinenden weißen Blütenstände, aus denen sich im Sommer schwarze, kirschähnliche Früchte entwickeln. Sie verraten, dass das Gehölz botanisch zu den Rosengewächsen gehört und mit der Kirsche verwandt ist.
Nun rückt die beliebte Heckenpflanze mit einer weiteren Eigenschaft in den Fokus der Öffentlichkeit: Der Kirschlorbeer gilt als invasive Art. Der Naturschutzbund Österreich kürte ihn zum „Neophyt des Jahres 2026“.

Was den Kirschlorbeere ökologisch bedenklich macht

Zwar werden seine Blüten von einigen Insekten besucht, doch insgesamt ist der Kirschlorbeer eine wenig bedeutende Nahrungsquelle für die heimische Fauna. Seine Samen werden durch (einige wenige) Vogelarten und durch Wasser verbreitet, wodurch der Kirschlorbeer auch außerhalb von Gärten, etwa in Wäldern oder an Wiesenrändern, aufkommt. Dort verdrängt er heimische Arten, indem er durch seinen dichten Wuchs und die ganzjährige Belaubung Konkurrenz um Licht und Raum erzeugt. Selbst schattenverträgliche Stauden wie Bärlauch oder Maiglöckchen werden dadurch unterdrückt. In Österreich ist die Art bereits vielerorts verwildert. Auch vegetativ, etwa durch Schössling oder Absenker, fasst der Kirschlorbeer gerne Fuß.

Ein weiterer Aspekt ist die geringe ökologische Vernetzung solcher Monokultur-Hecken, denn Kirschlorbeer-Pflanzen bleiben in Neuanpflanzungen meist unter sich. Während eine gemischte Hecke mit heimischen Sträucher wie Weißdorn, Schlehe oder Hainbuche vielfältige Lebensräume und Nahrungsquellen für zahlreiche Tierarten bieten, fungiert der Kirschlorbeer eher als „grüne Barriere“ ohne nennenswerte funktionale Einbindung in die Umgebung. Durch die ungeeignete Aststellung nehmen brütende Vögel Kirschlorbeerhecken auch nur selten als Nistplatz an.

Geeignete Alternativen

Wodurch kann man die einstige Thujen-Alternative nun sinnvoll ersetzen? Der Naturschutzbund empfiehlt, bestehende Kirschlorbeerhecken schrittweise durch heimische Gehölze zu ersetzen und auf Neuanpflanzungen der invasiven Art gänzlich zu verzichten. In der Schweiz ist der Verkauf von Prunus laurocerasus bereits seit September 2024 verboten. Auch in Deutschland wird darüber diskutiert. In Österreich ist sie hingegen nach wie vor uneingeschränkt erhältlich und wird teils sogar als „bienenfreundlich“ beworben.

Ökologisch wertvolle Alternativen zum Kirschlorbeer sind v. a. heimische Sträucher, die Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten bieten, sowohl mit ihren nektarreichen Blüten im Frühling und Frühsommer als auch mit ihren Früchten im Herbst. In dornigem Geäst finden außerdem Vögel und Kleinsäuger Zuflucht. Zu den wertvollsten heimischen Heckenpflanzen gehören etwa Schlehe (Prunus spinosa), Weißdorn (Crataegus monogyna), Liguster (Ligustrum vulgare) oder Hundsrose (Rosa canina). Einen Sichtschutz über die Wintermonate bietet die ebenfalls gut schnittverträgliche Hainbuche (Carpinus betulus). Sie ist zwar nicht immergrün, behält aber oft ihr trockenes Laub bis ins Frühjahr.

>> Hecken sollten sichere Orten sein

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Gleiche Gattung, aber heimisch und ungleich wertvoller für die heimische Fauna: Eine gemischte Hecke mit Schlehdorn (Prunus spinosa) bietet Nahrung, Rückzugsmöglichkeit und Nistraum © Frank Nagel/Shutterstock