Blätter bekennen Farbe

Ein Artikel von Johanna Lassl | 16.10.2026 - 15:26
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Eine Fahrt durch den Herbstwald macht immer gute Laune. Doch warum sind die Blätter so bunt? © SNEHIT PHOTO/Shutterstock.com

Im Sommer dominiert in den Blättern das Chlorophyll. Der grüne Farbstoff ermöglicht die Fotosynthese und sorgt dafür, dass Sonnenlicht in Energie umgewandelt wird. Gleichzeitig überdeckt er andere Farbstoffe, die ebenfalls im Blatt vorhanden sind. Deshalb erscheinen viele Blätter während der Vegetationszeit einfach grün.

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, verändert sich der Stoffwechsel des Baumes. Das Chlorophyll wird nach und nach abgebaut. Der Baum zieht dabei wertvolle Nährstoffe, vor allem Stickstoff, aus den Blättern zurück und speichert sie für das kommende Frühjahr. Erst jetzt werden andere Farben sichtbar.

Gelb und Orange waren also die ganze Zeit da. Sie stammen vor allem von Carotinoiden, die unter anderem auch Karotten ihre orange Farbe verleihen. Bei manchen Bäumen kommen zusätzlich rote und violette Farbstoffe ins Spiel: die Anthocyane. Sie werden im Herbst teilweise neu gebildet und können für besonders intensive Rotfärbungen sorgen.

Warum manche Bäume spektakulärer leuchten

Ob ein Baum im Herbst eher dezent gelb oder knallrot erscheint, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Baumart spielt natürlich eine wichtige Rolle. Ahorn, Eiche, Amberbaum oder Hartriegel können beispielsweise besonders intensive Rot- und Orangetöne entwickeln.

Aber auch das Wetter mischt mit. Sonnige Herbsttage und kühle Nächte – ohne starken Frost – können die Bildung roter Farbstoffe begünstigen. Viel Licht sorgt für die nötige Energie, während die kühlen Temperaturen den Abbau des Chlorophylls fördern.

Deshalb kann derselbe Baum in einem Jahr wesentlich spektakulärer aussehen als im nächsten. Auch der Standort macht einen Unterschied: Lichtverhältnisse, Wasserangebot und Nährstoffversorgung beeinflussen, wie lange die Blätter grün bleiben und wie intensiv sie sich verfärben.

Und dann kommt der große Auftritt: Das Blatt löst sich vom Baum und fällt zu Boden. Für den Baum ist damit ein wichtiger Teil der Wintervorbereitung abgeschlossen. Für den Garten beginnt dagegen etwas Neues – denn aus dem scheinbaren Abfall wird wieder wertvolle organische Substanz.

Das Herbstlaub ist also nicht einfach buntes Ende, sondern Teil eines Kreislaufs. Und genau deshalb lohnt es sich, den herbstlichen Garten nicht nur als Aufräumarbeit zu betrachten, sondern einfach einmal genauer hinzusehen.