Der Mehrwert von Herbstlaub

Ein Artikel von Johanna Lassl | 19.10.2026 - 15:19
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Herbstlaub vom Boden bildet die Basisfüllung für das Hochbeet des kommenden Sommers © Mariana Serdynska/Shutterstock.com

Ein voller Teller für den Boden

Ein Baum holt sich im Laufe der Saison Nährstoffe aus dem Boden und baut sie in seine Blätter ein. Bevor diese im Herbst abfallen, zieht der Baum einen Teil davon wieder zurück. Ganz leer sind die Blätter deshalb trotzdem nicht: Sie enthalten organische Substanz und verschiedene Mineralstoffe.

Am Boden beginnt dann die eigentliche Verwandlung. Pilze und Bakterien besiedeln das Laub, später kommen unter anderem Asseln, Springschwänze und Regenwürmer dazu. Sie zerkleinern und zersetzen das Material. Was am Ende übrig bleibt, wird Teil des Humus und damit wieder zur Grundlage für neues Pflanzenwachstum.

Wer Laub einfach liegen lässt, betreibt also gewissermaßen Recycling direkt im Garten.

Nicht jedes Blatt gehört auf dieselbe Fläche

Allerdings ist „alles liegen lassen“ ebenfalls keine gute Strategie. Eine dicke, dauerhaft nasse Laubschicht auf dem Rasen kann die Gräser vom Licht abschneiden und Fäulnis begünstigen. Auch auf kleinen, immergrünen Pflanzen oder empfindlichen Stauden kann eine schwere Schicht problematisch werden.

Hier darf also ruhig zum Rechen gegriffen werden. Das Laub muss aber nicht gleich in der Biotonne landen. Es kann unter Sträucher und Bäume wandern, wo es sich nach und nach zersetzt. Besonders unter Gehölzen entspricht eine Laubschicht dem, was auch in einem natürlichen Wald passiert.

Das kostenlose Winterquartier

Laub hat noch einen weiteren Vorteil: Es ist nicht nur Nahrung, sondern auch Lebensraum. Unter einer lockeren Schicht finden zahlreiche Kleintiere Schutz vor Kälte und Austrocknung. Igel nutzen Laubhaufen als Winterquartier, sofern diese ausreichend groß und ungestört sind. Auch Insekten und andere Bodenbewohner profitieren von den geschützten Bereichen.

Deshalb sollte nicht jeder Winkel des Gartens im Herbst penibel sauber werden. Ein Haufen aus Laub, Ästen und anderem Pflanzenmaterial kann ökologisch wesentlich wertvoller sein als ein perfekt aufgeräumtes Beet.

Jetzt schon ans Hochbeet denken

Größere Mengen Laub lassen sich außerdem nutzen, um das Hochbeet für die kommende Saison vorzubereiten. Wer im Herbst ohnehin Material zur Verfügung hat, kann das Beet schichtweise neu befüllen: Grobes Schnittgut und Äste bilden eine lockere Basis, darauf können gröbere Pflanzenreste und Laub folgen. Darüber kommt am besten reifer Kompost und zum Abschluss eine Schicht gute Pflanzerde.

Das organische Material beginnt über den Winter langsam zu verrotten und sackt dabei zusammen. Deshalb sollte das Hochbeet im Herbst ruhig etwas höher befüllt werden. Im Frühjahr ist die Füllung dann bereits weiter zusammengesackt und kann bei Bedarf mit Kompost oder Erde ergänzt werden. Aus Herbstlaub wird so nicht nur Humus, sondern gleichzeitig der Grundstock für die nächste Gartensaison.

Wohin mit dem Rest?

Übrig gebliebenes Laub eignet sich hervorragend für den Kompost. Dort wird es gemeinsam mit stickstoffreicheren Materialien wie Rasenschnitt oder frischen Pflanzenresten zersetzt. Wer größere Mengen hat, kann das Laub auch separat sammeln und zu Laubkompost verarbeiten. Dieser entsteht langsamer als gewöhnlicher Kompost, ergibt aber ein feines, humusreiches Material.

Vorsicht ist allerdings bei krankem Laub geboten. Befallene Blätter sollten nicht einfach unter empfindlichen Pflanzen verteilt werden. Auch stark verunkrautetes Material kann besser anderweitig entsorgt werden.