Eine einfache Blüte besteht meist aus mehreren klar erkennbaren Teilen: Kronblätter locken Bestäuber an, Staubblätter produzieren Pollen und im Inneren befinden sich Nektarien, die Nektar bereitstellen. Bei der Züchtung gefüllter Sorten wird das natürliche Verhältnis verändert. Ein Teil der Staubblätter wird zu zusätzlichen Kronblättern umgebildet.
Das Ergebnis sind Blüten mit vielen Lagen von Blütenblättern, die besonders üppig und dekorativ wirken. Für Bestäuber bleibt dagegen weniger übrig: Es gibt weniger Staubblätter und damit weniger Pollen. Gleichzeitig können Nektarquellen und die Blütenmitte durch die vielen Blütenblätter verdeckt sein. Für Bienen und andere Blütenbesucher wird es dadurch schwieriger, an die Nahrung zu gelangen.
Dabei gilt: Nicht jede gefüllte Blüte ist automatisch wertlos für Insekten. Entscheidend sind der Grad der Füllung und die jeweilige Sorte. Einfache oder nur leicht gefüllte Blüten bieten häufig deutlich bessere Voraussetzungen als extrem gefüllte Zuchtformen. Wer im Garten möglichst vielen Bestäubern Nahrung anbieten möchte, sollte deshalb auf offen aufgebaute Blüten achten, bei denen Staubgefäße und Blütenmitte gut zugänglich sind.
Weniger Blütenblätter, mehr Nahrung
Für den Garten bedeutet das nicht, dass gefüllte Blüten grundsätzlich tabu sind. Sie können durchaus ihren Platz haben. Wer jedoch Nahrung für Bienen und andere Bestäuber schaffen möchte, sollte den Blick auf die Blütenmitte richten: Offene Blüten mit sichtbaren Staubgefäßen sind meist die bessere Wahl. Sie bieten Bestäubern leichter zugängliche Nahrung und machen den Garten damit auch für zahlreiche andere Blütenbesucher interessant. Die nachfolgenden Blüten gehören zu den beliebtesten in unseren Gärten:
Gefüllte Zierkirsche
Die Nelkenkirsche (Prunus serrulata 'Kanzan') gehört zu den bekanntesten Zierkirschen mit stark gefüllten Blüten. Ihre zahlreichen rosa Blütenblätter entstehen unter anderem dadurch, dass Staubblätter zu zusätzlichen Kronblättern umgebildet wurden. Dadurch sind die für Insekten wichtigen Blütenteile stark reduziert.
Die Sorte ist deshalb vor allem ein dekorativer Frühlingsblüher. Wer eine Kirsche pflanzen möchte, die Bienen reichlich Nahrung bietet, sollte eher auf ungefüllte Arten und Sorten setzen.
Gefüllte Rosen
Bei Rosen reicht die Bandbreite von einfachen Blüten mit deutlich sichtbaren Staubgefäßen bis zu dicht gefüllten Sorten, bei denen das Blütenzentrum kaum noch zu erkennen ist. Je stärker die Füllung, desto mehr Staubblätter wurden in zusätzliche Blütenblätter umgewandelt.
Für Bienen und andere Blütenbesucher sind daher besonders einfache oder halbgefüllte Rosen interessant. Sie bieten leichter zugänglichen Pollen und werden gerne von Bienen besucht.
Gefüllte Dahlien
Auch bei Dahlien gibt es große Unterschiede. Stark gefüllte Sorten bestehen aus zahlreichen Blütenblättern, die das Blütenzentrum vollständig verdecken können. Staubgefäße und andere für Insekten wichtige Strukturen sind dann kaum erreichbar.
Ungefüllte Dahlien sehen weniger spektakulär aus, bieten Bestäubern dafür einen deutlich besseren Zugang zur Blütenmitte. Wer Dahlien nicht nur wegen ihrer Farbe, sondern auch als Nahrungsquelle für Insekten pflanzt, sollte deshalb zu Sorten mit offenem Blütenzentrum greifen