Wildromantischer Cottagegarten

Ein Artikel von Johanna Lassl | 21.08.2026 - 12:14
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Ungeordnet aber nicht außer Kontrolle - der Cottagegarten erlaubt alles was man will © Matthew J Thomas/Shutterstock.com

Der Garten wird wieder wilder. Wo lange klare Strukturen, wenige ausgesuchte Pflanzen und pflegeleichte Flächen gefragt waren, entstehen heute üppige Beete, in denen Stauden, Kräuter und einjährige Blumen scheinbar ungeplant durcheinander wachsen. Genau diese Mischung macht den Reiz des Cottagegartens aus. Das Vorbild stammt aus den traditionellen englischen Bauerngärten: Dort standen Zierpflanzen neben Gemüse, Kräutern und Obst, weil der Garten nicht nur schön, sondern auch nützlich sein sollte.

Heute wird dieser Stil neu interpretiert. Nicht die möglichst authentische Nachbildung eines historischen Bauerngartens steht im Mittelpunkt, sondern eine lockere, natürliche Gestaltung. Typisch sind dicht bepflanzte Beete, selbst aussäende Pflanzen und eine Mischung verschiedener Wuchshöhen. Fingerhut, Akelei, Stockrose, Katzenminze, Storchschnabel, Ringelblume und verschiedene Gräser passen gut in dieses Bild. Die Royal Horticultural Society empfiehlt für den Cottage-Stil ausdrücklich üppige Pflanzungen und Pflanzen, die sich selbst aussäen und dadurch den ungezwungenen Charakter verstärken.

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Rosen gehören zum Cottagegarten dazu wie das Amen zum Gebet. Sie dürfen auch gerne mal aus dem Garten "herausfließen" und Zäune umwachsen © onggo/Shutterstock.com

Wild bedeutet nicht ungepflegt

Ein wilder Garten entsteht allerdings nicht automatisch dadurch, dass man einfach alles wachsen lässt. Auch ein scheinbar zufälliges Beet braucht eine gewisse Struktur. Wege, Hecken, Mauern oder einzelne größere Gehölze geben Orientierung, während sich die Pflanzung dazwischen freier entwickeln darf. Besonders wirkungsvoll ist es, Pflanzen in Gruppen zu setzen und unterschiedliche Höhen miteinander zu kombinieren. So entsteht ein üppiges Bild, ohne dass der Garten chaotisch wirkt.

Interessant ist, dass der Trend auch eine ökologische Seite hat. Ein naturnah gestalteter Garten kann zahlreichen Tieren Nahrung und Lebensraum bieten. Heimische Wildpflanzen sind dabei besonders wertvoll, weil viele Insekten auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert sind. Gleichzeitig empfiehlt sich eine möglichst lange Blühsaison, damit vom Frühjahr bis in den Herbst Pollen und Nektar zur Verfügung stehen.

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Stehen gelassene Samenstände und trockene Gräser sind nicht nur für Vögel eine gute Nahrung, sie sind auch den ganzen Winter durch ansehnlich © NGarden21/Shutterstock.com

Mehr Mut zu kleinen Unvollkommenheiten

Zum neuen Wildgarten gehört deshalb auch eine andere Vorstellung von Ordnung. Verblühte Stauden müssen nicht sofort zurückgeschnitten werden. Ein Teil der Samenstände kann bis zum Winter stehen bleiben und Vögeln Nahrung bieten oder Insekten Unterschlupf ermöglichen. Auch ein Stück länger wachsendes Gras, ein Laubhaufen oder abgestorbenes Holz kann bewusst im Garten bleiben. Solche kleinen Strukturen schaffen zusätzliche Lebensräume.

Für Hobbygärtner hat der Trend noch einen praktischen Vorteil: Wer standortgerechte und robuste Pflanzen auswählt, kann Pflegeaufwand reduzieren. Ein naturnaher Garten muss nicht völlig sich selbst überlassen werden, aber er verlangt weniger ständiges Eingreifen. Statt jede Selbstaussaat als Problem zu betrachten, darf der Gärtner beobachten, was sich entwickelt – und nur dort korrigieren, wo Pflanzen tatsächlich überhandnehmen.

Der Cottagegarten passt damit erstaunlich gut in die Gegenwart. Er verbindet romantische Blütenfülle mit Nutzpflanzen, fördert die Vielfalt und lässt Raum für spontane Entwicklungen. Und vielleicht liegt genau darin sein größter Reiz: Ein Garten muss nicht perfekt aussehen, um schön zu sein.