Heilpflanze des Jahres: Schwarzer Holunder

Ein Artikel von Michaela Tebaldi | 10.01.2024 - 11:07
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Prall gefüllt mit gesunden Inhaltsstoffen: schwarzer Holunder © aga7ta/Shutterstock

Holunder sucht die Nähe des Menschen, er wächst gerne neben Scheunen, nahe einer Hauswand oder an Wald- und Wiesenrändern. Oft geht der heimische Strauch auch wild auf. Wo er wächst, schützt er Haus, Hof, Mensch und Tier, sagt man. Uralte Sagen und Mythen ranken sich um den schwarzen Holunder (Sambucus nigra), der der Lieblingsbaum der germanischen Göttin Holda gewesen sein soll. Die Germanen begründeten auch die Tradition, einen Holunderstrauch als Hausbaum zu pflanzen, denn darin vermuteten sie den Sitz der Götter.
"Einen Hollerbusch darf man nicht umschneiden", denn das bringt Unglück, wenn man der Überlieferung glauben mag. Fest steht, dass der Holunder nicht nur eine attraktive Blühpflanze mit duftenden weißen Doldenblüten ist – seine fast schwarzen Früchte sind ein wahrer Superfood. Daher wurde das Wildobst zur Heilpflanze des Jahres 2024 erkoren.

Holunder: Heimisches Wildobst im Porträt

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Der Holunder als Hausbaum bringt Schutz für alle Bewohner © Anastasiia Malinich/Shutterstock

Ein Holunderstrauch kann bis zu 100 Jahre alt werden und schützt somit mehr als eine Generation. An seinen Standort stellt er keine hohen Ansprüche, solange ausreichend Stickstoff vorhanden ist. Mit seinen flachen Wurzeln wächst er daher gerne auch als Pionier an eher unwirtlichen Plätzen. Holunder ist schnellwüchsig und erreicht eine Höhe von bis zu 10 m.
Mit zunehmenden Jahren zeigt sich seine Rinde immer zerfurchter und rissiger. Im inneren der Äste befindet sich übrigens ein weißes Mark, das sich leicht entfernen lässt und aufgrund seiner korkähnlichen Substanz von Juwelieren und Uhrmachern zur Reinigung verwendet wurde.
Die weißen, duftenden Scheindolden erscheinen ab Mai und läuten nach dem phänologischen Kalender den Frühsommer ein. Daraus lässt sich ein süßer Holunderblütensirup zubereiten. Im Spätsommer schmücken dann die dunkelblau bis violett und schwarz glänzenden Dolden den Strauch. Es handelt sich dabei genaugenommen um Steinfrüchte, die gemeinhin als Beeren bezeichnet werden. Vögel können diese roh vernaschen – der Mensch muss die Beeren zuerst kochen, um in den Genuss des beliebten Wildobstes zu kommen. 

Die Wirkstoffe des Holunders

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Aus den duftenden Holunderblüten kann man einen aromatischen Sirup oder einen heilsamen Tee zubereiten © Slavica Stajic/Shutterstock

Sowohl Blüten als auch Beeren besitzen eine gesundheitsfördernde Wirkung. Den Beeren bzw. Steinfrüchten wird in der Arzneikunde besonderes Augenmerk geschenkt – denn die aromatischen Früchte sind reich an zahlreichen Vitaminen – besonders Vitamin C und Vitamine der B-Gruppe – und Mineralstoffen wie Magnesium, Kalium, Phosphor und Eisen. Flavonoid- und Anthocyanglykoside, Aminosäuren, Phenolsäuren, Triterpene, Schleim- und Gerbstoffe sind ebenfalls enthalten. Diese Fülle an Ingredienzien ist verantwortlich dafür, dass der schwarze Holunder eine antivirale, antioxidative und immunstärkende Wirkung auf uns hat. Gerade in der kalten Jahreszeit ein ideales Mittel, um uns zu stärken bzw. auf dem Weg der Genesung zu unterstützen.

Die Blüten sind bekannt für ihre schweißtreibende und damit Fieber senkende Wirkung. Ihre ätherischen Öle regen die Schleimsekretion an, wodurch die Atemwege gut befeuchtet werden. Flavonoide wirken schleimlösend, was bei festsitzendem Schleim bei Bronchitis oder Nebenhöhlenentzündungen hilfreich ist, und die Gerbstoffe wirken zusammenziehend. 

Rezepte mit Holunder

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Hollerkoch im Glas: Vitamine für das ganze Jahr © Madeleine Steinbach/Shutterstock

Holunder lässt sich vielseitig einsetzten, ob als Holunderblütensirup, gebackene Holunderblüten, Holunderbeerensaft, Hollerkoch oder Kompott. Die österreichische Küche kennt viele Rezepte mit den Blüten und Beeren des heimischen Wildobstes. Viele davon sind in Vergessenheit geraten. 

Hollerkoch:
Ein selbst zubereitetes Hollerkoch ist eine wahre Vitaminbombe, die sich wunderbar einkochen und auf Vorrat zubereiten lässt.

Zutaten:
• 1–2 Äpfel
• 300 g Holunderbeeren
• 60 g Feinkristallzucker
• 1 Prise Zimt
• 1 Schuss Rum (optional)
• 1 TL Zitronensaft
• ½ Pkg. Vanillepuddingpulver

Zubereitung:
1. Äpfel schälen, entkernen und klein würfeln. Holunderbeeren abrebeln, Stielreste und grüne Früchte sorgfältig aussortieren.
2. 300 ml Wasser mit Zucker, Zimt, Äpfeln und Holunderbeeren aufkochen und 10 Minuten kochen lassen.
3. Vanillepuddingpulver mit 2 EL kaltem Wasser glatt rühren. Rum und Zitronensaft zum Hollerkoch geben und angerührtes Puddingpulver miteinrühren. Nochmals unter Rühren kurz aufkochen, damit es bindet.

Holunderblütentee bei Erkältung:
Für einen selbst aufgebrühten Holunderblütentee können Sie sowohl frische, als auch getrocknete Holunderblüten verwenden. Letztere werden am besten in einem Papiersäckchen an einem kühlen Platz aufbewahrt.

Zutaten:
• 1 Handvoll frische oder 2 TL getrocknete Holunderblüten
• 300 ml Wasser
• 2 TL Zitronensaft
• 1 TL Honig 

Zubereitung:
1. Holunderblüten in eine Tasse geben und mit dem kochenden Wasser aufgießen. 10 Minuten ziehen lassen.
2. Abseihen und mit Zitronensaft und Honig verfeinern. 
 

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