Ein Zuhause zwischen Steinplatten

Ein Artikel von Alexandra Pickner | 08.09.2026 - 10:51
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© Ingrid Balabanova/Shutterstock.com

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Bodennistende Wildbienen graben ihre Nester im Boden und finden dafür auch in schmalen Fugen geeignete Lebensräume. © StGrafix/Shutterstock.com

Werden zwischen den Steinen bewusst offene und bepflanzbare Fugen vorgesehen, entsteht ein spannender Bereich, der viele Vorteile bietet. Begrünte Fugen können Niederschlagswasser aufnehmen, die Fläche optisch beleben und zugleich einen kleinen, aber wertvollen Lebensraum für Insekten schaffen. 
Pflasterflächen können weit mehr sein als ein klassischer Gehweg. Werden die Zwischenräume der Steine als kleine Pflanzstandorte gedacht, entsteht ein lebendiges farbenfrohes Mosaik aus Pflanzen, das Wasser im Boden hält, das Mikroklima verbessert und Nahrung für zahlreiche Insekten bereitstellen kann.

Lässt man dazwischen auch noch einige Flächen frei, entsteht ein überraschend wertvoller ökologischer Lebensraum. Denn in den Spalten zwischen den Steinen können viele bodennistende Insekten ihre Gänge graben. Bienenwolf, Hosenbienen, Sandbienen und viele andere Arten finden in den Gehwegen einen Lebensraum. Die Eingänge zu ihren unterirdischen Nestern sind leicht zu entdecken. An warmen Sommertagen graben sie Löcher in die Fugen zwischen den Gehwegplatten und türmen den Sand zu kleinen Häufchen daneben auf. Gerade die Verbindung von freien Flächen und lebendiger Vegetation macht solche Fugen ökologisch interessant. Forscher gehen davon aus, dass ein Großteil der bodennistenden Wespen- und Wildbienenarten auch in Gehwegfugen Nester bauen können. Manche Arten scheinen diesen menschengemachten Lebensraum sogar zu bevorzugen.

Kleine Fugen, große Wirkung

Entscheidend für eine erfolgreiche Begrünung ist die richtige Pflanzenwahl. Für Fugen und schmale Zwischenräume eignen sich niedrig wachsende, robuste Arten, die mit wenig Substrat, Nährstoffen und Wasser auskommen. Sternmoos (Sagina subulata), Römische Kamille (Chamaemelum nobile), Sand-Thymian (Thymus serpyllum) oder Mauerpfeffer (Sedum acre) bilden dichte, flache Polster und bringen zugleich Struktur und bunte Blüten in die Pflasterfläche. Der Sand-Thymian ist dabei besonders interessant, weil er Trockenheit gut verträgt und mit seinen Blüten zahlreiche Bestäuber anzieht.
Für Flächen, die hin und wieder betreten werden, kommen besonders trittverträgliche Arten infrage. Römische Teppich-Kamille (Chamaemelum nobile), Sternmoos (Sagina subulata) und verschiedene niedrig wachsende Thymian-Arten können gelegentliche Tritte verkraften und eund eignen sich für wenig frequentierte Gartenwege, Übergänge oder Bereiche zwischen einzelnen Trittsteinen. Allerdings gilt: Begehbar bedeutet nicht dauerhaft belastbar. Für stark frequentierte Wege sind solche Pflanzen ebenso wenig geeignet wie für Flächen, auf denen regelmäßig schwere Lasten bewegt werden.
Auch gestalterisch eröffnen begrünte Fugen interessante Möglichkeiten. Unterschiedliche Blattformen, Wuchshöhen und Blütezeiten lassen die Zwischenräume nicht als zufällige Lücken erscheinen, sondern als bewusst gestalteten Bestandteil der Fläche. Flache Polster können größere Pflasterpartien optisch zusammenbinden, während einzelne blühende Pflanzen lebendige Akzente setzen. So lässt sich selbst eine kleine Fuge gezielt in die Gestaltung einbeziehen – und aus einer nüchternen Pflasterfläche wird ein lebendiges Mosaik.