Nicht nur ihr Aussehen hat die Süßkartoffel (Ipomoea batatas) mit den Erdäpfeln gemein, sondern auch ihre Heimat Südamerika. Heute wächst das auch unter dem Namen „Batate“ bekannte Wurzelgemüse weltweit im Bereich der Tropen und Subtropen in Afrika, Amerika und Asien. Die Pflanze ist kälteempfindlich und gedeiht nur unter günstigen Klimabedingungen in den gemäßigten Breiten. Das nördlichste Anbaugebiet liegt im Burgenland. Seit 2012 können wir heimische Süßkartoffeln unter dem Namen „Burgenland Batata“ in österreichischen Supermärkten erstehen. Die Süßkartoffel ist eine der ältesten Kulturpflanzen in Amerika. Archäologische Funde in Peru sind 8.000 bis 10.000 Jahre alt. Aus der Neuen Welt brachten die spanischen Eroberer Anfang des 16. Jh.s die Batate nach Europa. Die Portugiesen transportierten die Pflanze nach Afrika, Indien und Südostasien. Über spanische Handelsschiffe gelangte sie von Mexiko auf die Philippinen und Molukken und von dort verbreitete sie sich schließlich bis nach China.
Platz 1 der nährstoffreichsten Gemüse
Kulinarisch interessant ist hauptsächlich die Wurzelknolle der Süßkartoffel. Die länglichen, rundlichen, walzen- oder spindelförmigen Knollen wachsen unter der Erde bis zu einer Länge von 30 cm heran und können ein Gewicht von bis zu 3 kg erreichen. Ihre Schale (= Rinde) reicht von weißlich, gelblich über bräunlich bis zu purpurfarben, innen kann sie ebenfalls weißlich hell, gelblich, orange, bräunlich, violett oder rot sein. Ihr ausgewogener Nähr- und Vitalstoffreichtum hat das CSPI, das Center for Science in the Public Interest, überzeugt, der Süßkartoffel den Titel „Nährstoffreichstes Gemüse überhaupt“ zu verleihen. Auf Platz 2 liegt der Erdapfel. Tatsächlich ist die Batate in zahlreichen Ländern der Tropen und Subtropen ein Grundnahrungsmittel. Sie hat dort den Stellenwert, den bei uns die Erdäpfel innehaben. Das ist auch nicht verwunderlich, ist die Süßkartoffel doch reich an Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen, leicht zu kultivieren, stellt wenig Anspruch an ihr Substrat, wächst schneller als Unkraut und ist relativ robust, was Schädlinge oder Krankheiten betrifft. Und die Süßkartoffel macht lange satt. Immerhin besteht sie zu fast einem Viertel aus Kohlenhydraten, wobei sie neben Stärke 0,5 bis 5,5 % Zucker beinhaltet. Daher auch ihr süßer Geschmack. Je näher das Anbaugebiet am Äquator liegt, desto mehr Zucker ist in der Wurzelknolle. Die Vermutung liegt nahe, dass Menschen, die Probleme mit dem Blutzuckerspiegel haben, Süßkartoffeln aufgrund ihres hohen Stärke- und Zuckergehalts meiden sollten. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Denn Batate senkt nachweislich den Blutzucker, die Insulinresistenz und auch den Gesamtcholesterinspiegel. Neben der positiven Wirkung bei Diabetes und erhöhten Blutfettwerten wirkt die Wurzelknolle als Antioxidans. Süßkartoffeln sind besonders reich an den sekundären Pflanzenstoffen Anthocyane und Carotinoide, die für die gelbe, orange oder violette Färbung der Knolle verantwortlich sind. Diese Inhaltsstoffe können zellschädigende freie Radikale beseitigen und helfen, Krebs, Arteriosklerose, Rheuma, Alzheimer und Parkinson vorzubeugen. Weiters stärkt Batate das Immunsystem, fördert die Wundheilung, wirkt antientzündlich sowie antifungal und schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem ist die Süßkartoffel- Knolle reich an Vitamin A (besonders die tieforangerot gefärbten Knollen), B1, B5, B6 und E sowie an den Mineralstoffen Eisen, Kupfer, Kalium und Mangan.
Die Süßkartoffel als Zierpflanze
Die Blätter der Süßkartoffel werden zwar auch gegessen, sortenabhängig können sie aber zu schweren Vergiftungen führen. Ihre herzförmigen Blätter und sattgrüne Farbe macht sie gleichzeitig zu einer hübschen Zierpflanze
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Während der Erdapfel (Solanum tuberosum) zur Familie der Nachschattengewächse gehört, ist die Süßkartoffel ein Windengewächs (Convolvulaceae). Ipomoea batatas kriecht mit ihren bis zu 3 m langen Trieben flach am Boden. In Blumenampeln machen die langen Triebe mit ihren herzförmigen Blättern aber richtig was her. So gibt es zahlreiche Ziersorten von Ipomoea batatas mit saftig grünen, dunklen oder panaschierten Blättern, die auch ohne Blüten als Bodendecker oder Kletterer im Garten beliebt sind. Rechnen Sie aber nicht mit Blüten, denn die Süßkartoffel ist eine Kurztagspflanze. Nur wenn es weniger als 11 Stunden hell ist, fängt sie an zu blühen. Wollen Sie nicht auf den Flor verzichten, müssen Sie zu anderen Vertretern der Gattung Ipomoea greifen, beispielsweise zur Purpur-Prunkwinde (Ipomoea purpurea) oder zur Himmelblauen Prunkwinde (Ipomoea tricolor). Sie alle werden Sie mit ihren rosa, roten, blauen, violetten oder gelben Blüten begeistern.
So fühlt sich Batate wohl
Die Anzucht einer Süßkartoffelpflanze kann ganz einfach in einem Glas Wasser erfolgen
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Als Tropenpflanze braucht es die Süßkartoffel besonders warm und feucht. Ideal sind 26 bis 30 °C und 850 bis 900 mm Niederschlag. Bei Temperaturen unter 10 °C zeigt die Batate bereits Kälteschäden und stirbt ab. Daher ist die ansonsten ausdauernde Staude in unseren Breiten meist einjährig. Solange Sie die Pflanze an einen sonnigen, warmen Platz setzen, wird sie schnell wachsen und Wurzelknollen bilden, die Sie im Herbst ernten können. Sie können auch versuchen, die Süßkartoffel drinnen, etwa im Wintergarten oder am Fensterbrett, an einem hellen, etwa 15 °C kühlen Standort zu überwintern. Gießen Sie sie nur ganz wenig, passen Sie die Wassermenge an die Winterruhe an und düngen Sie nicht. Es kann sein, dass Blätter teilweise oder zur Gänze abfallen. Wenn alles gut geht, sprießen im Frühjahr neue Triebe. Ob drinnen oder draußen, im Topf oder im Beet, die Batate braucht einen wasserdurchlässigen, schwach sauren und sandig-lehmigen Boden. Meist reicht handelsübliche Blumen- bzw. Balkonerde. Sie will es gleichbleibend feucht, aber nicht nass. Staunässe und Ballentrockenheit verträgt sie nicht. Wollen Sie die Knollen ernten, braucht die Pflanze viel Wärme. Das Auspflanzen erfolgt erst nach den Eisheiligen am besten ins Hochbeet oder in einen schwarzen Pflanztrog (mit mindestens 30 Litern Fassungsvermögen), der in der prallen Sonne steht. Sie können die ganze Knolle (z. B. eine Süßkartoffel aus biologischem Anbau) einsetzen. Es ist hilfreich, zuerst die Knolle einige Tage zu einem Drittel in ein Wasserglas mit weiter Öffnung zu stellen, damit sich Wurzeln bilden können. Anschließend die Knolle mit dem bewurzelten Ende einpflanzen, wobei etwa die Hälfte des Überdauerungsorgans aus der Erde schauen sollte. Wollen Sie mehr Pflanzen setzen, schneiden Sie die aus der Süßkartoffel sprießenden wurzelbürtigen Sprosse ab, wenn diese etwa 20 bis 30 cm hoch sind. Die Schösslinge entweder einige Tage in einem Wasserglas bewurzeln lassen oder gleich direkt schräg ins Substrat einsetzen. Eine andere Möglichkeit der Vermehrung ist die Teilung der Knolle: Das Überdauerungsorgan auseinanderschneiden, die Schnittstellen einen Tag antrocknen lassen und dann einpflanzen. Auch eine Stecklingsvermehrung ist machbar, die Samen sind für die Aussaat irrelevant und kommen nur in der Züchtung zum Einsatz. Im Herbst, wenn die Blätter beginnen zu vergilben, ist Erntezeit. Jetzt haben die Wurzelknollen den maximalen Kohlenhydratgehalt. Graben Sie die Knollen aus und lassen Sie sie einige Stunden trocknen. Da die Süßkartoffel besonders wasserreich ist, ist sie nur begrenzt haltbar. Zum Lagern eignet sich noch am ehesten ein kühler, trockener, dunkler Kellerraum mit über 5 °C, oder Sie schlagen die Knollen in ein trockenes Substrat wie z. B. Vermiculit ein. Am besten Sie essen die Knollen gleich auf. Sie können die Batate wie Erdäpfel zubereiten: kochen, braten, frittieren und rösten, aber auch roh essen. Einige köstliche Rezepte finden Sie auf der nachfolgenden Doppelseite. Die Sorten mit rotem, pink- oder orangefarbenem „Fleisch“ sind übrigens hinsichtlich ihres Aromas und ihrer Kocheigenschaften besser als die weiß oder hellgelb gefärbten.