Die Fette Henne (Sedum) bietet das ganze Jahr über ökologischen und optischen Mehrwert © Kabar/Shutterstock.com
Wer jetzt durch den Garten geht, entdeckt zwischen verblühten Stauden und kahlen Stängeln noch erstaunlich viel Leben. Eine, die dabei besonders ins Auge fällt, ist die Fette Henne. Vor allem die Sorte ‚Herbstfreude‘ zeigt sich im Spätherbst von ihrer besten Seite: Ihre einst hellrosa Blütenstände haben sich inzwischen intensiv dunkelrosa bis rostbraun verfärbt und setzen markante Farbakzente im Beet.
Für Bienen und andere Insekten ist die späte Blüte ebenfalls ein Gewinn. Wenn viele andere Stauden bereits verblüht sind, finden sie an den dicht besetzten Blütenständen noch Nahrung. An milden Novembertagen herrscht dort deshalb mitunter noch reger Betrieb. Die Fette Henne zeigt damit, dass ein attraktiver Garten und ein wertvolles Nahrungsangebot für Insekten gut zusammenpassen können.
Dabei ist die Fette Henne keineswegs eine reine Herbstattraktion. Schon im Frühjahr sorgen ihre fleischigen, graugrünen Blätter für kompakte, dekorative Horste. Sie wirken fast wie kleine, ordentlich geformte Polster und bringen Struktur in die noch junge Staudenpflanzung. Auch während der Sommermonate bleibt die Pflanze interessant: Dann entwickeln sich die flachen Blütenstände, die zunächst grünlich erscheinen. Noch bevor sich die eigentliche Blütenfarbe zeigt, sind sie bereits ein schönes Gestaltungselement.
Im Spätsommer und Herbst kommt schließlich der große Auftritt. Die Blütenstände öffnen sich zunächst in einem leuchtenden Hellrosa. Mit zunehmender Blühdauer wird die Farbe kräftiger und wandert über Dunkelrosa bis hin zu warmen Rostbrauntönen. Gerade diese späte Verfärbung macht die Fette Henne zu einem zuverlässigen Farbtupfer, wenn das Gartenjahr schon deutlich ruhiger geworden ist.
Und auch nach der Blüte muss die Gartenschere nicht gleich zum Einsatz kommen. Die trockenen Blütenstände können den Winter über stehen bleiben. Sie geben dem Beet Struktur, wirken mit Raureif überzogen besonders reizvoll und bilden einen schönen Kontrast zu immergrünen Pflanzen oder winterkahlem Gehölz. Gleichzeitig bieten die verbliebenen Samen Vögeln zumindest ein zusätzliches Nahrungsangebot.
Wer im November noch nach Pflanzen Ausschau hält, die Zierwert und ökologischen Nutzen verbinden, sollte die Fette Henne deshalb nicht unterschätzen. Sie begleitet den Garten beinahe durch das ganze Jahr – vom ersten graugrünen Austrieb im Frühjahr über die grünen Sommerknospen bis zum rosafarbenen Herbstauftritt und den rostbraunen Winterständen. Eine Staude also, die auch dann noch etwas zu erzählen hat, wenn bei vielen anderen längst Schluss ist.