Seine dicht aneinander sitzenden, glänzenden Beeren machen den Liebesperlenstrauch zu einem markanten Gestaltungselement im winterlichen Garten – der Name Schönfrucht beschreibt ihn treffend. Mehr lesen ...
Das Orientalische Zackenschötchen bildet oft dichte Bestände und blüht noch Ende Mai und im Juni, wenn der „Doppelgänger“ Raps längst verblüht ist © Ermak Oksana/Shutterstock
Wenn Sie meinen, „nur“ einen verwilderten Raps oder Acker-Senf im Garten zu haben, schauen Sie lieber nochmal genauer hin: Steht die Pflanze erst im Mai (oder später) in voller Blüte? Und sind die Blätter des gelb blühenden Kreuzblütlers im unteren Bereich länglich-lanzettlich, teilweise tief eingeschnitten und am Ende spitz zulaufend? Dann haben Sie es möglicherweise mit dem Orientalischen Zackenschötchen (Bunias orientalis), auch Türkische Rauke genannt, zu tun.
Gerade entlang von Straßen, auf Böschungen oder am Feldrand wird das Zackenschötchen oft für „verwilderten Raps“ gehalten. Es richtig zu identifizieren ist jedoch nicht unwesentlich, denn der ursprünglich in Sibirien und Südosteuropa beheimatete Kreuzblütler gilt hierzulande als invasiver Neophyt. Nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde das Zackenschötchen im 18. oder 19. Jh. möglicherweise über Saatgut oder als Zier- bzw. eiweißreiche Futterpflanze. Spürbar stärker geworden ist die Ausbreitung allerdings erst in den vergangenen Jahrzehnten. Fachleute beobachten v. a. seit den 1990er Jahren eine deutliche Zunahme dichter Bestände.
Warum problematisch?
Besonders wohl fühlt sich die hitze- und trockenheitsverträgliche Pflanze auf nährstoffreichen Böden an Wegrändern, Bahntrassen, auf Brachflächen oder in extensiven Wiesen. Auch in naturnahen Gärten siedelt sie sich mitunter an. Häufig gelangen die Samen über Erde, Kompost, Vogelfutter oder Maschinen in den Garten. Das Problem: Viele erkennen das Zackenschötchen erst, wenn es längst etabliert ist. Und wo es sich einmal etabliert hat, wird es schnell dominant und ist kaum mehr einzudämmen.
Dank der bis zu 2 m (!) tief reichenden Pfahlwurzel und der enormen Samenproduktion – eine einzige Pflanze kann bis zu 5.000 Samen bilden, die mehrere Jahre im Boden keimfähig bleiben – ist das Zackenschötchen vielen anderen heimischen Arten weitaus überlegen, wodurch sich ganze Pflanzenbestände verändern. Gerade auf artenreichen Wiesen oder naturnahen Flächen – und auch zusammen mit anderen invasiven Arten wie Japanischem Staudenknöterich oder Drüsigem Springkraut – kommt es sukzessive zum Verlust der Artenvielfalt.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
| Merkmal | Orientalisches Zackenschötchen (Bunias orientalis) |
Raps (Brassica napus) |
Acker-Senf (Sinapis arvensis) |
| Blütenfarbe | Leuchtend gelb | Leuchtend gelb | Gelb |
| Blütezeit | Mai bis August (Hauptblüte im Mai und Juni) | April bis Mai | Mai bis Oktober |
| Blätter | Rau, stark gezähnt, tief eingeschnitten | Glatter, oft bläulich-grün | Weicher, weniger grob gezähnt |
| Früchte | Kleine, knotige Schötchen | Lange, schmale Rapsschoten | Schlanke Schoten mit Schnabel |
| Wuchshöhe | 50–150 cm | 80–150 cm | 30–100 cm |
| Wuchsform | Buschig, stark verzweigt | Gleichmäßig, aufrecht | Locker, eher fein |
| Geruch | Oft streng oder kohlartig | Mild-kohlartig | Typisch senfartig |
| Status | Invasiver Neophyt | Landwirtschaftliche Nutzpflanze | Häufiges Wildkraut |
| Problematisch? | Ja, verdrängt heimische Arten | Nein | Meist harmloses Wildkraut |
| Im Garten möglich? | Ja, zunehmend häufiger | Selten | Sehr häufig |
Wie Sie das Zackenschötchen nachhaltig entfernen
Ein einzelnes Zackenschötchen ist noch kein Drama. Problematisch wird es, wenn die Pflanze mehrere Jahre ungestört wachsen darf: Dann entsteht schnell ein dichter Bestand.
Schneidet man die Pflanze nur oberflächlich ab, ohne das kräftige Wurzelwerk auszugraben, treibt sie immer wieder aus. Das macht die Eindämmung entsprechend schwierig. Entscheidend ist, die Pflanzen möglichst noch vor der Samenreife samt aller Wurzelteile auszustechen. Das geht am besten mit einem großen, tiefreichenden Unkrautstecher. Gehen Sie dabei gründlich vor, denn aus jedem noch so kleinen Wurzelrest können wieder neue Pflanzen austreiben.
Entsorgen Sie die Pflanze nicht auf dem Kompost sondern über die Biotonne oder den Restmüll. Vorsicht, halbreife Samen können auch noch nach dem Abschneiden der Pflanze ausreifen! Beobachten Sie den Standort bzw. die Fläche in den kommenden Monaten: Wenn die Zackenschote aus verbliebenen Wurzelresten wieder austreibt, heißt es wieder rasch handeln.
Wenn Sie die Pflanze auf öffentlichen Flächen oder in ökologisch sensiblen Bereichen entdecken, melden Sie den Fund gegebenenfalls an Gemeinden oder Naturschutzstellen.
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