Diesen Raps-Doppelgänger sollten Sie lieber entfernen

Ein Artikel von Christiane Plochberger | 27.05.2026 - 07:29
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Das Orientalische Zackenschötchen bildet oft dichte Bestände und blüht noch Ende Mai und im Juni, wenn der „Doppelgänger“ Raps längst verblüht ist © Ermak Oksana/Shutterstock

Wenn Sie meinen, „nur“ einen verwilderten Raps oder Acker-Senf im Garten zu haben, schauen Sie lieber nochmal genauer hin: Steht die Pflanze erst im Mai (oder später) in voller Blüte? Und sind die Blätter des gelb blühenden Kreuzblütlers im unteren Bereich länglich-lanzettlich, teilweise tief eingeschnitten und am Ende spitz zulaufend? Dann haben Sie es möglicherweise mit dem Orientalischen Zackenschötchen (Bunias orientalis), auch Türkische Rauke genannt, zu tun.

Gerade entlang von Straßen, auf Böschungen oder am Feldrand wird das Zackenschötchen oft für „verwilderten Raps“ gehalten. Es richtig zu identifizieren ist jedoch nicht unwesentlich, denn der ursprünglich in Sibirien und Südosteuropa beheimatete Kreuzblütler gilt hierzulande als invasiver Neophyt. Nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde das Zackenschötchen im 18. oder 19. Jh. möglicherweise über Saatgut oder als Zier- bzw. eiweißreiche Futterpflanze. Spürbar stärker geworden ist die Ausbreitung allerdings erst in den vergangenen Jahrzehnten. Fachleute beobachten v. a. seit den 1990er Jahren eine deutliche Zunahme dichter Bestände.

Warum problematisch?

Besonders wohl fühlt sich die hitze- und trockenheitsverträgliche Pflanze auf nährstoffreichen Böden an Wegrändern, Bahntrassen, auf Brachflächen oder in extensiven Wiesen. Auch in naturnahen Gärten siedelt sie sich mitunter an. Häufig gelangen die Samen über Erde, Kompost, Vogelfutter oder Maschinen in den Garten. Das Problem: Viele erkennen das Zackenschötchen erst, wenn es längst etabliert ist. Und wo es sich einmal etabliert hat, wird es schnell dominant und ist kaum mehr einzudämmen.

Dank der bis zu 2 m (!) tief reichenden Pfahlwurzel und der enormen Samenproduktion – eine einzige Pflanze kann bis zu 5.000 Samen bilden, die mehrere Jahre im Boden keimfähig bleiben – ist das Zackenschötchen vielen anderen heimischen Arten weitaus überlegen, wodurch sich ganze Pflanzenbestände verändern. Gerade auf artenreichen Wiesen oder naturnahen Flächen – und auch zusammen mit anderen invasiven Arten wie Japanischem Staudenknöterich oder Drüsigem Springkraut – kommt es sukzessive zum Verlust der Artenvielfalt.

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Die Blätter der grundständigen Rosette sind deutlich größer als die Blätter weiter oben am Stamm © Christiane Plochberger

Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Merkmal Orientalisches Zackenschötchen
(Bunias orientalis)
Raps
(Brassica napus)
Acker-Senf
(Sinapis arvensis)
Blütenfarbe Leuchtend gelb Leuchtend gelb Gelb
Blütezeit Mai bis August (Hauptblüte im Mai und Juni) April bis Mai Mai bis Oktober
Blätter Rau, stark gezähnt, tief eingeschnitten Glatter, oft bläulich-grün Weicher, weniger grob gezähnt
Früchte Kleine, knotige Schötchen Lange, schmale Rapsschoten Schlanke Schoten mit Schnabel
Wuchshöhe 50–150 cm 80–150 cm 30–100 cm
Wuchsform Buschig, stark verzweigt Gleichmäßig, aufrecht Locker, eher fein
Geruch Oft streng oder kohlartig Mild-kohlartig Typisch senfartig
Status Invasiver Neophyt Landwirtschaftliche Nutzpflanze Häufiges Wildkraut
Problematisch? Ja, verdrängt heimische Arten Nein Meist harmloses Wildkraut
Im Garten möglich? Ja, zunehmend häufiger Selten Sehr häufig
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Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Orientalischen Zackenschötchen und dem Raps sind die Blätter: Beim Zackenschötchen laufen sie spitz zu © 13Smile/TunedIn by Westend61/Shutterstock

Wie Sie das Zackenschötchen nachhaltig entfernen

Ein einzelnes Zackenschötchen ist noch kein Drama. Problematisch wird es, wenn die Pflanze mehrere Jahre ungestört wachsen darf: Dann entsteht schnell ein dichter Bestand.

Schneidet man die Pflanze nur oberflächlich ab, ohne das kräftige Wurzelwerk auszugraben, treibt sie immer wieder aus. Das macht die Eindämmung entsprechend schwierig. Entscheidend ist, die Pflanzen möglichst noch vor der Samenreife samt aller Wurzelteile auszustechen. Das geht am besten mit einem großen, tiefreichenden Unkrautstecher. Gehen Sie dabei gründlich vor, denn aus jedem noch so kleinen Wurzelrest können wieder neue Pflanzen austreiben.

Entsorgen Sie die Pflanze nicht auf dem Kompost sondern über die Biotonne oder den Restmüll. Vorsicht, halbreife Samen können auch noch nach dem Abschneiden der Pflanze ausreifen! Beobachten Sie den Standort bzw. die Fläche in den kommenden Monaten: Wenn die Zackenschote aus verbliebenen Wurzelresten wieder austreibt, heißt es wieder rasch handeln.

Wenn Sie die Pflanze auf öffentlichen Flächen oder in ökologisch sensiblen Bereichen entdecken, melden Sie den Fund gegebenenfalls an Gemeinden oder Naturschutzstellen.

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