Dieser Band vereint süße und herzhafte Rezeptideen mit Hülsenfrüchten – ohne Fleisch, dafür aber mit reichlich pflanzlichen Proteinen und ganz viel Abwechslung. Mehr lesen ...
Pro Haushalt werden in Österreich Lebensmittel im Wert von durchschnittlich 30 bis 70 Euro entsorgt © Pormezz/Shutterstock
Lebensmittel verschwenden wir meist nicht absichtlich, und doch ist es sicher jedem von uns schon einmal „passiert“. Viel häufiger sind es kleine Gewohnheiten, fehlende Planung oder Unsicherheit im Umgang mit Resten, die dazu führen, dass Essen im Müll landet. Zwischen 30 und 70 Euro wirft ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt monatlich an Lebensmitteln weg, am häufigsten Brot und Backwaren, Obst und Gemüse sowie Milchprodukte. Das entspricht oft einem halben bis ganzen Wocheneinkauf. Dabei lässt sich mit einfachen Maßnahmen im Alltag viel verändern.
1. Bewusst einkaufen statt spontan zugreifen
Ein entscheidender Schritt beginnt schon vor dem Kochen: beim Einkauf. Überlegen Sie vorab, was Sie wirklich brauchen, und erstellen Sie idealerweise einen groben Wochenplan. So vermeiden Sie Impulskäufe und verhindern, dass Lebensmittel ungenutzt verderben.
Ein Blick in den Kühlschrank vor dem Einkauf hilft zusätzlich. Oft sind noch Zutaten vorhanden, die sich gut einbauen lassen. Wer gezielt einkauft, kauft automatisch weniger zu viel.
2. Ordnung im Kühlschrank schaffen
Ein gut organisierter Kühlschrank hilft dabei, den Überblick zu behalten. Holen Sie ältere Lebensmittel nach vorne und legen Sie frisch Gekauftes nach hinten. So sehen Sie sofort, was bald verbraucht werden sollte.
Auch klare Zonen können helfen: Gemüse, Milchprodukte oder Reste jeweils an festen Plätzen. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass etwas „in Vergessenheit“ gerät.
3. Kreativ mit Resten umgehen
Viele Gerichte lassen sich flexibel anpassen: Gemüse, das nicht mehr ganz frisch ist, eignet sich hervorragend für Suppen, Pfannen oder Aufläufe. Gekochte Nudeln oder Reis können am nächsten Tag angebraten werden. Altes Brot wird zu Croutons, Knödeln oder einem herzhaften Brotauflauf.
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Mit etwas Kreativität entstehen oft neue Lieblingsgerichte. Wichtig ist vor allem die Haltung: Nicht perfekt aussehende Lebensmittel sind meist trotzdem noch gut verwendbar.
Mindesthaltbar heißt nicht „sofort schlecht“
Ist ein Lebensmittel abgelaufen, wenn es sein Haltbarkeitsdatum überschritten hat? Nein, Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) bedeutet nur, dass ein Lebensmittel bis zu diesem Datum garantiert seine optimale Qualität behält – nicht, dass es danach ungenießbar ist. Viele Produkte können Sie Tage, Wochen oder sogar Monate nach Ablauf noch problemlos essen. Joghurt ist oft noch mehrere Tage bis Wochen genießbar, Nudel oder Reis sogar Monate oder länger. Honig ist sogar eines der wenigen Lebensmittel, das (obwohl das MHD nur 1 bis 2 Jahre garantiert) praktisch unbegrenzt haltbar ist.
Verlassen Sie sich besser auf Ihre Sinne und vergewissern Sie sich mit Riechen und vorsichtigem Probieren, ob das Lebensmittel noch in Ordnung ist.
Eine Ausnahme bildet das Verfallsdatum („Zu verbrauchen bis“), das auf leicht verderblichen Lebensmitteln wie Faschiertem zu finden ist. Hier gilt: Nach Ablauf nicht mehr essen, da gesundheitliche Risiken bestehen können.
4. Haltbar machen und richtig lagern
Nicht alles muss sofort verbraucht werden. Viele Lebensmittel lassen sich problemlos haltbar machen. Einfrieren ist eine einfache Möglichkeit, um Reste länger zu nutzen. Auch Einlegen oder Fermentieren können helfen, Lebensmittel länger genießbar zu machen.
Gleichzeitig spielt die richtige Lagerung eine große Rolle. Manche Produkte gehören nicht in den Kühlschrank, andere hingegen unbedingt. Wer die Grundlagen kennt, verlängert die Haltbarkeit deutlich.
>> Obst und Gemüse richtig lagern: Nicht alles in den Kühlschrank!
5. Planung erleichtert den Kochalltag
Eine einfache Wochenplanung kann viel bewirken. Sie hilft dabei, Mahlzeiten besser zu strukturieren und Reste gezielt einzuplanen. Wenn Sie beispielsweise ein größeres Gericht kochen, können Sie die Reste bewusst für den nächsten Tag einplanen. Auch feste „Restetage“ können sinnvoll sein. So entsteht eine Routine, die ganz automatisch weniger Abfall produziert.
Zero Waste in der Küche: Alte Ideen im neuen Gewand?
Lebensmittelverschwendung steht heute stärker denn je im Fokus. Trends wie Zero Waste, Nose-to-Tail oder Leaf-to-Root prägen Kochbücher, Social Media und die Gastronomie. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Vieles davon ist weniger neu, als es scheint – vielmehr handelt es sich um eine Wiederentdeckung alter Prinzipien.
Die wichtigsten Zero-Waste-Trends heute
Aktuell lassen sich mehrere zentrale Entwicklungen beobachten. Der Zero-Waste-Ansatz zielt darauf ab, Abfälle entlang der gesamten Lebensmittelkette zu vermeiden – vom Einkauf bis zur Zubereitung.
Eng damit verbunden ist der Re-use-Food-Trend oder Food-Upcycling, bei dem Reste kreativ weiterverarbeitet werden, etwa zu neuen Gerichten oder Zutaten.
Noch einen Schritt weiter geht Circular Food: Hier werden selbst vermeintliche Abfälle wie Schalen oder Kerne als wertvolle Ressourcen betrachtet und wieder in den Kreislauf eingebunden.
Sehr präsent sind außerdem zwei besonders bekannte Konzepte:
• Nose-to-Tail: das vollständige Verwerten eines Tieres „von der Nase bis zum Schwanz“, also inklusive Innereien, Knochen etc.
• Leaf-to-Root: das Nutzen aller essbaren Pflanzenteile (Karottengrün wird beispielsweise zu Pesto, aus Gemüseschalen und -abschnitten wird Gemüsesuppe)
Beide verfolgen das gleiche Ziel: möglichst nichts wegwerfen und alle Bestandteile nutzen.
Auch traditionelle Methoden wie Fermentation oder Einlegen erleben ein Comeback, da sie Lebensmittel länger haltbar machen und so Abfall reduzieren.
Wie „neu“ sind diese Trends wirklich?
Trotz moderner Begriffe sind die Grundideen keineswegs neu. Viele dieser Praktiken waren früher selbstverständlich. In vorindustriellen Gesellschaften wurden Lebensmittel aus Notwendigkeit vollständig genutzt – nicht aus Trendbewusstsein, sondern weil Ressourcen knapp waren. Erst mit Industrialisierung und Überfluss entstand überhaupt die Vorstellung von „Abfall“.
Das Leaf-to-Root-Konzept wurde zwar erst 2014 als Begriff geprägt, basiert aber auf traditionellen Nutzungsweisen von Pflanzen. Ähnlich verhält es sich mit Nose-to-Tail, das auf frühere Esskulturen zurückgeht, in denen ganze Tiere verwertet wurden. Der Unterschied liegt v. a. in der Motivation:
Früher war vollständige Verwertung oft notwendig, heute ist sie eine bewusste Entscheidung für Nachhaltigkeit.